Ermöglichen von Barrierefreiheit

Die Entwicklung von Windows 8

Einblicke in die Arbeit des Windows-Entwicklerteams

Ermöglichen von Barrierefreiheit

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Windows 8 ist ein Produkt, das wir für ein unglaublich breites Kundenspektrum in aller Welt entwickeln. Einer der Bereiche, in dem wir uns insbesondere um Innovationen bemüht haben, ist die Nutzbarkeit von Windows 8 und der neuen Apps im Metro-Stil für alle Benutzer, unabhängig von deren körperlichen Fähigkeiten. In diesem Beitrag möchten wir die Entwicklungsarbeit an den Features erläutern, die wir als "Barrierefreiheit" bezeichnen – obwohl Sie feststellen werden, dass viele dieser Features allgemein verwendet werden können und das Produkt für alle Benutzer verbessern. Weitere Informationen zu den Anstrengungen von Microsoft im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit und zugehörigen Themen finden Sie unter www.microsoft.com/enable. Dieser Beitrag ist insbesondere für Entwickler von Apps im Metro-Stil für den Windows Store interessant, da wir Sie bitten, Ihre App vor dem Einreichen im Hinblick auf Barrierefreiheit zu testen. Jeder, der diese Tools noch nie in Aktion erlebt hat, sollte sich das Video dazu anschauen. Die kommende Betaversion ist eine gute Gelegenheit für alle, das Produkt kennen zu lernen.

Wichtiger Hinweis: Mit der nächsten öffentlichen Codeversion (später in diesem Monat) werden die in diesem Beitrag beschriebenen Funktionen deutlich verbessert. Zwischen Beta und RC stehen jedoch besonders hinsichtlich der Kompatibilität mit aktuellen Versionen von Drittanbietertools einige Arbeiten an. Daher möchte ich klarstellen, dass in diesem Beitrag Verbesserungen aus der nächsten Version sowie Funktionen erläutert werden, die bis zum Release Candidate noch weiter verbessert werden.

Dieser Beitrag wurde von Jennifer Norberg verfasst, leitende Programmmanagerin in unserem HID-Team.

– Steven


Wir möchten, dass alle Benutzer Apps im Metro-Stil für Windows 8 auf ihren Desktopcomputern, Laptops oder neuen Geräten mit Touchbedienung verwenden können. Dies trifft auch auf körperlich beeinträchtigte Menschen zu, die bei der PC-Nutzung auf Hilfstechnologien angewiesen sind.

Etwa 15 % der Weltbevölkerung sind körperlich beeinträchtigt1. Allein in den USA sind 49,6 Millionen Menschen körperlich beeinträchtigt2, und in Europa sind es 45 Millionen3. Beim Umgang mit Computern können sich diese Beeinträchtigungen für die Betroffenen unterschiedlich auswirken:

  • Beeinträchtigte Sehkraft, einschließlich Farbfehlsichtigkeit, eingeschränkter Sehkraft und Blindheit, kann sich auf die Fähigkeit auswirken, die auf dem Bildschirm angezeigten Inhalte zu erkennen.
  • Eingeschränkte motorische Fähigkeiten, einschließlich Arthritis, zerebraler Kinderlähmung, Parkinson, multipler Sklerose und Querschnittlähmung, wirken sich auf die Fähigkeit zur Verwendung der Tastatur und/oder Maus für die Interaktion mit dem Computer aus.
  • Eingeschränkte Hörfähigkeit weist verschiedene Schweregrade von leichter Schwerhörigkeit bis hin zu vollkommener Taubheit auf, und wirkt sich auf die Fähigkeit aus, die vom Computer erzeugten Töne wahrzunehmen.
  • Eingeschränkte kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen die Lern- und Sprachfähigkeit sowie das Verständnis von Wörtern und umfassen Gedächtnis-, Problemlösungs- oder Sinneswahrnehmungsschwierigkeiten.

Der Anteil der Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen nimmt zudem weltweit zu, da die Bevölkerung immer älter wird und mehr chronische Krankheiten auftreten. Eine der Folgen des globalen Alterungsphänomens sind die Auswirkungen auf die Arbeitswelt. So wird beispielsweise in den USA davon ausgegangen, dass der Anteil von Arbeitnehmern mit einem Alter von mindestens 55 Jahren bis 2018 von 18,1 auf 23,9 Prozent steigen wird5. Das ist mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer. Aufgrund altersbedingter Einschränkungen (z. B. Altersweitsichtigkeit, bei der das Auge in der Nähe befindliche Gegenstände nicht mehr scharf wahrnehmen kann und die in der Regel ab Mitte 40 auftritt, um sich bis zum Alter von etwa 65 Jahren zu verschlechtern) wird die Fähigkeit älterer Mitarbeiter beeinträchtigt, Technologien mit schwer ablesbaren Displays oder Bedienelementen zu nutzen. Daher wird die Anzahl der Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter zunehmen, die von diesen barrierefreien Technologien profitiert.

Neue Technologien und Entwicklungen stellen insbesondere für körperlich beeinträchtigte Anwender ein Problem dar, da viele neu eingeführte Technologien nicht barrierefrei gestaltet sind. Wir kennen dies aus Erfahrungen mit früheren Versionen von Windows und möchten sicherstellen, dass Windows 8 von Anfang an von allen verwendet werden kann, indem wir eine umfangreiche Barrierefreiheitsplattform für die Desktop- und Metro-Features bereitstellen.

Mit den Barrierefreiheitszielen von Windows 8 möchten wir Folgendes erreichen:

  1. Verbessern der Hilfstechnologien, bei denen es sich um Windows-Komponenten handelt, sowie der Benutzerfreundlichkeit der Metro-Oberfläche
  2. Bereitstellen von Entwicklertools mit integrierter grundlegender Barrierefreiheit, damit im Store barrierefreie Apps im Metro-Stil verfügbar sind
  3. Förderung von Anbietern für Hilfstechnologien, Windows 8 zu übernehmen und auf den Barrierefreiheitsmöglichkeiten aufzubauen

Jedes dieser Ziele und die entsprechenden Zielgruppen werden in diesem Blog ausführlich erörtert.

Bisherige Barrierefreiheitsanstrengungen

Bevor wir in die Zukunft blicken, möchte ich mich mit der Geschichte der Barrierefreiheit unter Windows befassen. In den bisherigen Versionen wurde mit der Benutzeroberflächenautomatisierung (UI Automation, UIA) eine Grundlage geschaffen. Die UIA wird von Entwicklern zum Bereitstellen von Informationen über ihren Code verwendet. Auf diese Weise können die Hilfstechnologien auf Daten der entwickelten Apps zugreifen und diese verwenden.

Zudem wurden Hilfstechnologien als Windows-Komponenten mitgeliefert:

  • Mit der integrierten Sprachausgabe von Windows können Nutzer mit eingeschränkter Sehkraft mit dem PC und den Apps interagieren. Im Benutzerfeedback zu vorherigen Versionen wurde häufig eine schneller reagierende Sprachausgabe nachgefragt, die mehr Steuerelemente liest und weitere Sprachen unterstützt.
  • Mit der Bildschirmlupe können Grafiken und Texte in Windows für Nutzer mit eingeschränkter Sehkraft größer dargestellt werden. Diese Funktion wurde mit Windows 98 eingeführt und unter Windows 7 deutlich verbessert, da nun der gesamte Bildschirm vergrößert werden kann. Diese Änderung stieß auf positives Feedback. Es traten jedoch nach wie vor Probleme mit der Bildschirmlupe auf, da es mitunter zu Konflikten mit Einstellungen für Farben mit hohem Kontrast kam.
  • Die Spracherkennung wurde mit Windows Vista eingeführt, um Nutzer mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten bei der Verwendung des Computers zu unterstützen. Das Benutzerfeedback zu dieser Funktion war fast ausschließlich positiv. So konnten wir feststellen, dass die Genauigkeit der Spracherkennung gut ist, Sprache schnell in Text umgesetzt wird und einige eher ungewöhnliche Worte erkannt werden.
  • Die Bildschirmtastatur ist seit Windows XP für Nutzer mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten verfügbar.

Obwohl diese Windows-Hilfstechnologien für bestimmte Beeinträchtigungen ausreichen, ist Windows auf das umfangreiche Angebot der Anbieter von Hilfstechnologien angewiesen, um die ganze Bandbreite an Beeinträchtigungen abzudecken und Innovationen in der Branche vollständig zu unterstützen. Daran ändert sich auch mit der neuen Version von Windows nichts. Während wir einerseits die als Windows-Komponenten integrierten Hilfstechnologien verbessern und Unterstützung für neue Szenarien wie z. B. die Metro-Benutzeroberfläche bieten, stellen wir andererseits nach wie vor eine funktionell vielseitige Plattform und Grundlage für die Anbieter von Hilfstechnologien bereit.

Verbesserungen der Barrierefreiheit unter Windows 8

Das Benutzerfeedback wird bei jeder neuen Version berücksichtigt und eingebunden. Daher ist klar, dass die Nutzer unter Windows 8 umfangreichere integrierte Hilfstechnologien wünschen. In dieser Version wurden aufgrund des Feedbacks die folgenden Bereiche weiterentwickelt:

  • Die Sprachausgabe wurde so verbessert, dass die ausgewählten Elemente schnell vorgelesen werden.
  • Der Sprachausgabe wurden weitere Sprachen und Stimmen zur Unterstützung zusätzlicher Länder/Regionen und Vorlieben hinzugefügt.
  • Komponenten und Funktionen von Windows wurden aktualisiert, sodass sie mithilfe der Benutzeroberflächenautomatisierung von der Sprachausgabe gelesen werden können.
  • Die Benutzeroberflächenautomatisierung wurde um weitere Textmuster und Dokumentinhalte ergänzt, sodass die Sprachausgabe die Ausgabe von Apps lesen kann.

Durch die Konzentration auf die oben aufgeführten Verbesserungen widmeten wir uns insbesondere den folgenden beiden Schlüsselszenarien:

  1. Installieren, Einrichten und Konfigurieren des Computers: Aktivieren Sie auf Ihrem Windows 7-Computer die Sprachausgabe, indem Sie "Erleichterte Bedienung" öffnen und "Sprachausgabe" auswählen. Wechseln Sie anschließend zur Webseite für den Download und die Installation von Windows 8 (Windows 8 Developer Preview hier herunterladen), und führen Sie das Setup mithilfe der Sprachausgabe durch. Das Verfahren weist noch einige Fehler auf, an deren Beseitigung wir derzeit arbeiten. Sie verfügen nun jedoch über die Möglichkeit einer Installation mithilfe der Sprachausgabe.

    Die Sprachausgabe verfügt unter Windows 8 über einige Konfigurationsoptionen. Sie können eine Stimme auswählen, die Sprechgeschwindigkeit ändern, Befehle anpassen und einige weitere Aspekte festlegen.

    Tippen Sie zwei Mal mit drei Fingern, um mehr über alle von der Sprachausgabe unterstützten Touchgesten zu erfahren. Ziehen Sie einen einzelnen Finger über den Bildschirm, um das jeweils unter dem Finger befindliche Element zu hören. Sie können auch auf der Tastatur Windows+ALT+F1 drücken, um alle Sprachausgabenbefehle anzuzeigen. Allgemein. Ändern Sie den Startvorgang sowie weitere Standardeinstellungen der Sprachausgabe. Navigation. Ändern Sie die Interaktion mit dem System über die Sprachausgabe. Stimme. Passen Sie die Geschwindigkeit, Tonlage oder Lautstärke der aktuellen Stimme an, oder wählen Sie eine andere aus. Befehle. Erstellen Sie benutzerdefinierte Tastaturbefehle.
    Hauptfenster der Sprachausgabe für die Konfiguration von Einstellungen


    Mit einem neuen Windows 8-Tablet können Sie bereits direkt nach dem Auspacken die Windows-Logo-Taste und "Lautstärke erhöhen" drücken, um die Sprachausgabe zu starten und das Setup des Computers durchzuführen. Egal, ob Sie blind sind, über eingeschränkte Sehkraft verfügen oder gesunde Augen haben: Sie können ein Windows 8-Tablet sofort nach Erhalt nutzen.
  2. Surfen im Internet: Bislang gab die Sprachausgabe auf Webseiten wenig wieder und war langsam. Dank der Aktualisierungen von Internet Explorer für die Verwendung der in die UIA-Plattform integrierten Textmuster und weiterer Leistungsupdates hält die Sprachausgabe beim Erkunden einer Webseite mit Ihnen Schritt. Mit der Sprachausgabe können Sie sich eine Seite druchgängig vorlesen lassen (drücken Sie zum Starten des Lesevorgangs die Windows-Logo-Taste+ALT+\). Zudem wird schnell auf Befehle wie z. B. STRG reagiert, um die Sprachausgabe sofort zu beenden. Dadurch können Sie mit Steuerelemente wie z. B. Links nutzen. (Drücken Sie bei aktivierter Sprachausgabe die Windows-Logo-Taste+ALT+EINGABETASTE, um den Link auszuwählen, und die Windows-Logo-Taste+ALT+LEERTASTE, um die verlinkte Seite zu öffnen.)

Zusätzlich zur Berücksichtigung des Benutzerfeedbacks wurde sehr viel Arbeit in die Barrierefreiheit der Apps im Metro-Stil investiert.

Weiterentwicklung der Barrierefreiheitsplattform für Entwickler

Das Sicherstellen der Barrierefreiheit einer Windows-Version während der Entwicklung von Funktionen stellt eine Herausforderung dar. Dies gilt umso mehr, wenn gleichzeitig eine vollständig neue Entwicklungsplattform eingeführt wird. Es war jedoch unser Ziel, dass körperlich eingeschränkte Nutzer die Metro-Apps umgehend verwenden können (im Gegensatz zur Win32-Plattform, die erst nach vielen Jahren und Versionen barrierefrei gestaltet werden konnte).

Zunächst aktualisierten wir unsere Barrierefreiheitsgrundlage zur Unterstützung von Branchenstandards. Dank der Unterstützung der Standards der Web Accessibility Initiative, Accessible Rich Internet Applications (ARIA), HTML5 und XAML können Entwicklern einfacher Barrierefreiheitsfunktionen in ihren Code einfügen. Zudem können Hilfstechnologien, die UIA zur Datenverarbeitung nutzen, damit Barrierefreiheitsszenarien unter Windows 8 funktionieren.

Dies stellt eine Abkehr von früheren Versionen dar, bei denen Anbieter von Hilfstechnologien verschiedene "kreative" Ansätze entwickeln mussten, um Daten aus dem System abzurufen, die verarbeitet und den Benutzern zur Verfügung gestellt werden konnten. Obwohl eine ansprechende Benutzerfreundlichkeit durch eine Vielzahl verschiedener Ansätze erreicht werden kann, stellt dies auch ein Problem dar, da nicht standardisierte Ansätze für jede neue Version geändert werden müssen. Aus diesem Grund mussten wir eine geeignete Grundlage innerhalb der Plattform bilden, die vorhandene Codingstandards nutzt (an die sich Entwickler halten sollten) und auch in zukünftigen Versionen konsistent bleibt. Entwickler von Hilfstechnologien erhalten durch diese Plattform zuverlässig Informationen zur Barrierefreiheit und müssen sich nicht mit besonderen Tricks oder Code behelfen.

Benutzer mit Doppelpfeil zu den Hilfstechnologien (Sprachausgabe, Bildschirmlupe usw.) und Doppelpfeil zur Barrierefreiheits-API (UIA) der Plattform. Diese verfügt wiederum über zwei Pfeile: einen zu Apps im Metro-Stil und einen zu Desktopanwendungen.Diagramm mit Entwicklern, Plattformen und Hilfstechnologien zum Bereitstellen von Informationen für Benutzer

Dank der konsistenten Plattform können Entwickler von Metro-Apps unter Windows nun Standards und Plattformen nutzen, um sicherzustellen, dass ihre Komponenten barrierefrei sind. Beim Entwerfen, Entwickeln und Testen der Features verfolgen wir die Fortschritte im Hinblick auf Barrierefreiheit kontinuierlich nach. Zum Veröffentlichungszeitpunkt des Builds der Windows 8 Developer Preview arbeitete das Team bereits an der Barrierefreiheit. Es traten jedoch weiterhin Fehler im Zusammenhang mit hohem Kontrast, Tastaturnavigation und Programmdaten für die Hilfstechnologien auf. Zwar konnten bislang keineswegs alle Probleme beseitigt werden, das gesamte Team arbeitet jedoch daran, unsere Barrierefreiheitsanforderungen und Ziele zu erreichen. Sie werden in allen öffentlichen Versionen von Windows 8 entsprechende Verbesserungen in diesem Bereich erkennen können.

Die neue Metro-Benutzeroberfläche von Windows gibt uns die Möglichkeit, Barrierefreiheitseinstellungen auf eine neue Art und Weise einzubinden. Daher konnten wir die wichtigsten Einstellungen vereinfachen und optimieren, auf die körperlich beeinträchtigte Nutzer angewiesen sind.

So verfügen wir nun z. B. über eine neue Methode zum Umschalten des hohen Kontrasts, die einfacher zu erkennen und einzusetzen ist. Zudem wurde das Vergrößern von Benutzeroberflächenelementen vereinfacht, und die DPI-Skalierungseinstellungen wurden automatisiert, damit sie nicht manuell verwaltet werden müssen. Wir hoffen, durch die Vereinfachung dieser Einstellungen vielen Benutzern helfen zu können.

Entwickler, die barrierefreie Apps erstellen und vertreiben

Mit Apps im Metro-Stil haben Entwickler eine hervorragende Möglichkeit, mehr Barrierefreiheit zu schaffen, indem sie Apps erstellen und vertreiben, die einen Mindeststandard an Barrierefreiheit erfüllen.

Glücklicherweise müssen sich Entwickler nicht in neue Technologien einarbeiten, um barrierefreie Apps bereitzustellen. Wir setzen auf vorhandene Standards, sodass der Lernaufwand zum Erstellen barrierefreier Apps möglichst gering ausfällt. HTML-Apps basieren auf dem öffentlichen HTML5-Standard, der ARIA enthält (ein Markup-Schema zur Deklaration von Barrierefreiheitsinformationen). Vergleichbares gilt für XAML-Apps. Wir nutzen das bekannte Markup-Schema, dass auch von ähnlichen Plattformen wie Silverlight und Windows Presentation Framework (WPF) verwendet wird. Zusätzlich unterstützen die Entwicklungsplattform und -tools von Windows 8 die Umsetzung von Barrierefreiheit in Apps bei jedem Entwicklungsschritt:

  • Erstellen: Beim Erstellen eines Projekts mithilfe einer der Projektvorlagen aus Visual Studio Express wird Code generiert, der Barrierefreiheit bereits unterstützt. Das heißt, die Anwendung kann unmittelbar mit Sprachausgabe und Tastatur verwendet werden und funktioniert auch optimal mit hohem Kontrast. Außerdem lassen sich Textkontrast und Farben anpassen. Dies ist ein guter Ansatzpunkt für Entwickler beim Erstellen barrierefreier Apps.
  • Schreiben des Codes: Die Plattform und die Tools bieten beim Schreiben des App-Codes zusätzliche Unterstützung:
    • Sie können Visual Studio Express IntelliSense verwenden, um Attribute für die Barrierefreiheit rasch einzugeben und Informationen für die Barrierefreiheit im Markup zu deklarieren.
    • Die Steuerelemente von Windows 8 verfügen über integrierte Unterstützung für Barrierefreiheit. In den meisten Fällen müssen Sie lediglich einen Namen zur Verwendung durch Screenreader-Software definieren.
    • In den Dev Center-Richtlinien und den zugehörigen Beispielen können Sie sich mit bewährten Vorgehensweisen und dem Kopieren/Einfügen von Code für die Barrierefreiheit vertraut machen.

Jetzt haben Sie möglicherweise folgende Bedenken: Wie kann das alles bei interaktiven Spielen oder Apps funktionieren, die auf HTML5-Canvas basieren? Sie liegen richtig. Es gibt noch immer Klassen von Apps, bei denen die Implementierung von Barrierefreiheit mehr Aufwand erfordert, als lediglich die Verwendung vorhandener Tools und Vorlagen. Wir arbeiten weiterhin mit der Entwickler-Community an Lösungen für diese Fälle, veröffentlichen spezifische Lösungen und erweitern die Richtlinien für die Barrierefreiheit um weitere Beispiele.

  • Testen: Verwenden Sie die Testtools für die Barrierefreiheit im Windows SDK, um das Markup zu überprüfen, sobald Ihre App bereit zum Testen ist. Die Dev Center-Dokumentation beinhaltet zudem Richtlinien zum Testen einer App im Metro-Stil auf Barrierefreiheit.
  • Vertreiben: Nach der Fertigstellung können Sie die App bei der Veröffentlichung im Windows Store als "Barrierefrei" kennzeichnen, wenn diese die grundlegenden diesbezüglichen Anforderungen erfüllt – ganz einfach durch Aktivieren des entsprechenden Kontrollkästchens. So können Benutzer im Store problemlos barrierefreie Apps finden.

Entwickler sollten beim Erstellen einer App für Windows 8 dieses Verfahren einhalten, und sicherstellen, dass die Apps folgende Voraussetzungen erfüllen und so die gewünschte Zielgruppe erreichen:

  • Unterstützung der Standards. Stellen Sie sicher, dass Benutzer mit eingeschränkter Sehfähigkeit bzw. vollständig blinde Benutzer die Sprachausgabe zur grundlegenden Verwendung der Apps nutzen können. Die Sprachausgabe greift auf die UIA und die oben aufgeführten Standards zurück, um Informationen von Apps abzurufen.
  • Tastenkombinationen. Stellen Sie sicher, dass Benutzer mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten bzw. Benutzer, die die Sprachausgabe nutzen und die Navigation mithilfe der Tastatur vorziehen, die Tastatur zur Bedienung der App und deren Benutzeroberflächenelemente verwenden können. Dazu zählen die Navigation mithilfe der TAB- und Pfeiltasten, das Aktivieren mit LEERTASTE und EINGABETASTE sowie die Verwendung von Tastenkombinationen und Zugriffstasten.
  • Hoher Kontrast und vergrößerte Ansicht. Stellen Sie sicher, dass Benutzer mit eingeschränkter Sehkraft Benutzeroberfläche und Text dank angemessener Kontrastverhältnisse und einem wirksamen Hochkontrastmodus erkennen können. Achten Sie darauf, dass das Layout für die Verwendung der Bildschirmlupe geeignet ist.

Weitere Informationen zu den ersten Schritten für das Erstellen einer eigenen App finden Sie in dieser //build/-Präsentation zum Thema Erstellen barrierefreier Apps im Metro-Stil.

Finden barrierefreier Windows 8-Apps

Benutzer können im Windows Store einen entsprechenden Filter anwenden, um Apps anzuzeigen, die vom Entwickler als "Barrierefrei" gekennzeichnet wurden. Zusätzlich können Benutzer Kommentare verfassen und Bewertungen abgeben, die es anderen Benutzern erleichtern, die Apps mit den besten Barrierefreiheitsfunktionen zu finden. Außerdem erhalten die Entwickler hierdurch Feedback zum Erfolg ihrer Bemühungen hinsichtlich der Barrierefreiheit.

Anpassen von Funktionen für die Barrierefreiheit an neue Formfaktoren

Eine der spannendsten Neuerungen bei Windows 8 ist die Erweiterung der Windows-Familie um Geräte, die ausschließlich per Touchscreen bedient werden. Selbstverständlich möchten wir, dass all diese neuen Formfaktoren, die Windows unterstützt, auch barrierefrei sind. Daher haben wir lange mit der Planung zugebracht, wie die Hilfstechnologien von Windows an Geräte angepasst werden können, die nur per Fingereingabe bedient werden. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen standen die Bildschirmlupe und die Sprachausgabe.

Bildschirmlupe und Navigation per Fingereingabe

Die Bildschirmlupe kann auf verschiedene Arten eingesetzt werden, eine der beliebtesten Arten ist jedoch die Verwendung von Tastenkombinationen (Windows-Logo-Taste + und Windows-Logo-Taste -) Auf einem Gerät, das ausschließlich per Fingereingabe bedient wird, steht selbstverständlich keine Tastatur zur Eingabe von Tastenkombinationen zur Verfügung. Also mussten wir eine Lösung für die praktische Verwendung der Bildschirmlupe auf diese Geräten finden. Unser Ziel war eine Touchscreen-Lösung, die einfach, schnell und bequem ist. Wenn Sie die Bildschirmlupe bereits zuvor verwendet haben, haben Sie dabei vielleicht mit den unterschiedlichen Modi unter Windows 7 experimentiert. Wir haben die Entscheidung getroffen, uns bei der Fingereingabe auf den Vollbildmodus zu konzentrieren, da die Daten aus dem Customer Experience Improvement-Programm ergeben haben, dass dieser Modus am häufigsten verwendet wird. Außerdem handelt es sich um den besten Modus für Fingereingabegesten, da der gesamte Bildschirm zur Verfügung steht.

Ein großer Vorteil bei der Fingereingabe ist die Möglichkeit, unmittelbar auf den gesamten Bildschirminhalt zuzugreifen. Sie benötigen keine Peripheriegeräte wie Maus und Tastatur: Sie können einfach auf die gewünschten Elemente tippen. Der Nachteil, von dem uns auf die Vergrößerung angewiesene Benutzer berichtet haben, ist das Problem, dass es mitunter schwierig sein kann, gleichzeitig den Bildschirminhalt abzulesen und auf darauf zu tippen, da sich die Hand auf dem Bildschirm befindet und die Anzeige verdeckt. Dabei ist es der Sinn der Bildschirmlupe, Benutzern zu helfen, den Bildschirminhalt zu erkennen – und nicht dieses zu erschweren. Daher war es eines der Ziele beim Entwurf für Touchscreen-Geräte, sicherzustellen, dass die Bildschirmlupe vollständig von den Bildschirmkanten aus bedient werden kann.

Wenn Sie die Bildschirmlupe auf einem Touchscreen-Gerät starten (im Bereich "Erleichterte Bedienung" kann die Bildschirmlupe so eingestellt werden, dass sie durch Drücken der Windows-Logo-Taste und der Taste zum Erhöhen der Lautstärke aktiviert wird), werden Sie sofort einen Rand an den Kanten des Bildschirms bemerken. Da Sie natürlich alle Bereiche des Bildschirms sehen möchten, können Sie die Bildschirmlupe ganz einfach mithilfe dieser Ränder über den Bildschirm bewegen. Ziehen Sie einfach Ihren Finger entlang des Rands, um die Bildschirmlupe in die entsprechende Richtung zu verschieben. Wenn der Rand ausgeblendet wird, haben Sie die Kante des Bildschirms erreicht.

Zwei Abbildungen: Auf der linken Seite befindet sich eine vergrößerte Abbildung des Startbildschirms mit Rändern an allen vier Kanten, je einem Plus-Symbol in der oberen linken und rechten Ecke sowie je einem Minus-Symbol in der linken und rechten unteren Ecke. Ein blauer Kreis, der den zum Ziehen verwendeten Finger darstellt, wird an der unteren Kante dargestellt. Die zweite Abbildung zeigt einen anderen Teil desselben Startbildschirms mit denselben Steuerelementen, die den Bildlauf darstellen.

Ziehen Sie Ihren Finger entlang des Rands, um unterschiedliche Bildschirmbereiche anzuzeigen. Die Ränder werden ausgeblendet, wenn Sie eine Kante des Bildschirms erreichen.

Die Schaltflächen Plus (+) und Minus (-) in den Ecken dienen zum Vergrößern bzw. Verkleinern. Außerdem wird das Zoomen mithilfe von Mehrfingereingabe auf diesen Rändern unterstützt. Wenn Sie zwei Finger auf einem Rand enger zusammenziehen bzw. weiter auseinander bewegen, können Sie rasch zoomen.

Bei hohen Vergrößerungsraten ist es oftmals schwierig, sich auf dem Bildschirm zu orientieren. Dieses Problem wird mithilfe der Vorschaufunktion der Bildschirmlupe behoben, die die genaue Position auf dem Gesamtbildschirm anzeigt. Sie aktivieren die Vorschau, indem Sie mit den Daumen oder Fingern gleichzeitig auf entgegengesetzte Bildschirmränder tippen. Die Vorschau hebt die Vergrößerung auf, um Ihnen anzuzeigen, auf welchem Teil des Bildschirms sie sich befinden, und vergrößert anschließend wieder auf die aktuelle Position.

Startbildschirm mit einem kleinen Rechteck, das den aktuellen Bildschirmbereich anzeigt, an dem sich die Bildschirmlupe befindet

Tippen Sie gleichzeitig auf zwei gegenüberliegende Bildschirmränder. Die Vollbildschirmvorschau hebt die aktuelle Position auf dem Bildschirm hervor.

Sie können den hervorgehobenen Bereich sogar verschieben, während die Vergrößerung aufgehoben ist, um die Bildschirmlupe über den Bildschirm zu bewegen.

Das Wichtigste an der Bildschirmlupe ist, dass Sie sich nicht umgewöhnen müssen, wenn Sie das Gerät per Fingereingabe bedienen. Sobald die Bildschirmlupe aktiviert ist, kann sie mit allen Apps verwendet werden. Benutzer mit eingeschränkter Sehfähigkeit können mithilfe der Bildschirmlupe Inhalte einfach erkennen und zielsicher darauf tippen.

Erkunden und Erlernen der Benutzeroberfläche mit Sprachausgabe

Die Sprachausgabe von Windows 8 wurde umfassend neugestaltet. Sie ist bedeutend schneller geworden und unterstützt zahlreiche neue Funktionen. Für die Unterstützung der Sprachausgabe auf Geräten, die ausschließlich per Fingereingabe bedient werden, haben wir eine Standardmöglichkeit zum Starten der Sprachausgabe eingeführt – Drücken der Windows-Logo-Taste und der Taste zum Erhöhen der Lautstärke. Sobald die Sprachausgabe ausgeführt wird, können Sie die integrierten Touchscreen-Befehle verwenden, um Bildschirminhalte vorlesen zu lassen und das Gerät zu steuern.

Sollten Sie blind sein, besteht die Herausforderung bei der Fingereingabe darin, dass Inhalte auf dem Bildschirm sich nicht finden lassen, ohne diese zu aktivieren. Auf Windows 8-Geräten wird dieser Herausforderung dadurch begegnet, indem Sie einen einzelnen Finger über den Bildschirm ziehen. Die Sprachausgabe liest die Inhalte unter dem Finger vor, ohne sie zu aktivieren. Benutzer, die sehen können, werden bemerken, dass der Sprachausgabezeiger ebenfalls dem Finger folgt. Wir bezeichnen dies als "Erkunden". Stellen Sie sich einfach vor, dass über Ihrem Bildschirm eine Glaspatte liegt. Die Sprachausgabe ermöglicht es Ihnen, die darunterliegenden Inhalte zu erkunden, indem Sie das Glas berühren, jedoch nicht den Bildschirm selbst. Nachdem Sie das gewünschte Element mit einem Finger gefunden haben, können Sie dieses aktivieren, indem Sie mit einem zweiten Finger auf eine beliebige Stelle des Bildschirms tippen.


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Dies sind nur zwei Beispiele für Hilfstechnologien von Windows 8, die nun auch für Touchscreen-Geräte optimiert wurden. Es gibt noch zahllose weitere Verbesserungen an den Hilfstechnologien von Windows 8. In einem künftigen Beitrag kommen wir darauf zurück.

Kontakt zu Anbietern von Hilfstechnologien

Es gilt, zahlreiche Szenarien und Beeinträchtigungen zu berücksichtigen. Daher arbeiten wir mit Anbietern für Hilfstechnologien zusammen, um sicherzustellen, dass wir körperlich beeinträchtigten Nutzern die besten Möglichkeiten bieten können. Die integrierten Hilfstechnologien von Windows 8 kommen sowohl bei der Desktop-Benutzeroberfläche als auch bei der Benutzeroberfläche im Metro-Stil zum Einsatz, um PCs so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Benutzer, die aufgrund besonderer Anforderungen auf erweiterte Funktionen von Hilfstechnologien angewiesen sind, möchten möglicherweise Lösungen von Herstellern erwerben, die entsprechend spezialisiert sind.

Diese Anbieter bieten hochentwickelte Hilfstechnologien für körperlich beeinträchtigte Benutzer, beispielsweise durch die Bereitstellung von ausführlicher Unterstützung für bestimmte bzw. ältere Anwendungen. Die integrierten Hilfstechnologien von Windows 8 funktionieren möglicherweise nur eingeschränkt mit Apps, die Branchenstandards oder Plattformtechnologien nicht unterstützen, einschließlich älterer Anwendungen ohne Implementierung der UIA.

Bei Windows 8 haben wir nicht nur viel Aufwand in die Grundlage für die neue Benutzeroberfläche im Metro-Stil investiert, sondern auch in die Übernahme von Branchenstandards, von denen App-Entwickler, Hilfstechnologien und körperlich beeinträchtigte Nutzer profitieren.

Dank einer standardisierten Möglichkeit zum Abrufen von Informationen können Hilfstechnologien gemeinsam mit Standards verwendet werden, mit denen App-Entwickler bereits vertraut sind. Noch wichtiger ist jedoch, dass Anbieter von Hilfstechnologien auf diese Standards zurückgreifen können, die in zahlreichen Versionen von Windows unterstützt werden, um sicherzustellen, dass ihre Hilfstechnologien nicht mit jeder Version neu entwickelt werden müssen. Seit der //build/-Konferenz haben wir Partnerschaften mit führenden Anbietern für Hilfstechnologien geschlossen, um diese bei den ersten Schritten mit Windows 8 zu unterstützen. Dazu gehört auch die Unterstützung für bereits verwendete Spiegeltreiber und die UIA.

Wir arbeiten weiterhin mit den Anbietern für Hilfstechnologien Hand in Hand, um sicherzustellen, dass deren Fragen beantwortet werden. Gemeinsam verwirklichen wir das Ziel eines barrierefreien Windows 8.

Windows 8 war für uns eine großartige Möglichkeit, die Barrierefreiheit zu verbessern. Wir haben nicht nur die Plattform weiterentwickelt, sondern auch neue Möglichkeiten für Entwickler geschaffen, mit denen Apps auch körperlich beeinträchtigten Benutzern zugänglich gemacht werden können. Außerdem haben wir viel Aufwand in die integrierten Hilfstechnologien von Windows 8 gesteckt, nicht nur, um die Leistung und Sprachunterstützung zu verbessern, sondern auch, um neuen Formfaktoren wie Touchscreen-Geräten gerecht zu werden. Wir setzen uns auch weiterhin für ein funktionell umfangreiches und innovatives Drittanbieter-Ökosystem ein. Mit stärker standardisierten und einheitlichen Schnittstellen setzen wir darauf, dass dieses Ökosystem auch weiterhin Innovationen in Windows einbringt.

Wenn Sie als Benutzer auf Barrierefreiheit angewiesen sind, werden Sie die neuen Möglichkeiten zu schätzen wissen. Als Entwickler können Sie barrierefreie Apps erstellen und so Sie so eine breitere Kundenschicht erreichen. Arbeiten Sie als Anbieter von Hilfstechnologien mit uns zusammen, und aktualisieren Sie Ihre Anwendungen mithilfe unserer Plattform. Dies ist eine spannende und einzigartige Version, mit der Benutzer aller Fähigkeitsstufen die Bedienung von PCs auf eine neue Weise erleben werden.

Es steht noch viel Arbeit bevor, um bei Windows alle Anforderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit zu erfüllen. Jedoch möchten wir Benutzer ermuntern, unsere neue Benutzeroberfläche im Metro-Stil mit den kostenlosen aktualisierten Hilfstechnologien von Windows 8 auszuprobieren.

-- Jennifer Norberg, Lead PM, Human Interaction Platform-Team

Daten

  1. WHO: Disability and health: Fact sheet Number 352
  2. US Census: Profile America Facts for Features
  3. European AT Report: Analysing and federating the European Assistive Technology ICT industry, March 2009 (PDF)
  4. Lifekludger: The Touch Barrier – Accessibility and usability issues around touch technologies
  5. Occupational Outlook Handbook, 2010-11 Edition
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