Im Jahr 2005 musste man auf alle Funktionen, die nicht in Visual Studio 2005 enthalten waren fast drei Jahre auf die nächste Version Visual Studio 2008 warten und nicht selten war dieser Umstand Anlass für hitzige aber auch konstruktive Diskussionen, an welchen ich selbst teilhaben durfte. Nun erlebt die Software Industrie aber gerade in den letzten Jahren eine dynamische Evolution - Apps, Devices verschiedenster Formfaktoren und Cloud basierte Services haben sich durchgesetzt. Ist da ein drei Jähriger Zyklus noch adäquat?

Die Antwort liegt eigentlich schon auf der Hand. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt aber dennoch, um zu verstehen warum kürzere Zyklen für die Visual Studio Plattform essentiell sind.

Im Grunde gibt es hier zwei Aspekte. Zum einen ist Visual Studio die Development Plattform für die gesamte Microsoft Plattform von Desktop, Apps, Cloud Services über Phone und XBOX bis hin zu Embedded und ist somit ein zentraler Bestandteil des Ecosystems. Die kürzeren Zyklen wie z.B. die von Windows und das schrittweise Zusammenwachsen der gesamten Microsoft Plattform geben hier quasi den Takt vor. Denn was bringt eine neue XBOX, wenn es kein Visual Studio für die Entwicklung gibt?

Zum anderen möchte man die Entwicklung näher am Markt, näher am Kunden umsetzen. Genau zu diesem Zweck hat sich die Art und Weise wie Visual Studio entwickelt wird massiv verändert. Funktionen werden oftmals mit einem Basisumfang eingeführt, um dann in einem Update unter Berücksichtigung des Feedbacks erweitert zu werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Code Maps in Visual Studio, die dann in einem Update noch eine Debugger Integration erhalten haben. Es ist also vielmehr eine kontinuierliche Entwicklung des Produktes als ein „wir machen einen Fünf-Jahres-Projektplan, schließen uns ein und liefern im vierten Jahr eine Beta Version aus, können aber so oder so nichts mehr ändern“. Das Feedback der Kunden nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein. Auf Visual Studio User Voice kann man direkt Feedback geben und somit neue Funktionen beeinflussen. Ein schönes Beispiel ist das mit VS 2012 eingeführte moderne Design mit weniger Farbe, was nicht jeden angesprochen hat, um es mal positiv auszudrücken. Auf Visual Studio User Voice gibt es dazu einen Eintrag „Add some color to Visual Studio 2012“, der mit ca. 14000 Stimmen ein deutliches Feedback ist. Das hat letztlich dazu geführt hat, dass nun die Farben wieder verfügbar sind, so dass Visual Studio nach den eigenen Vorlieben gestaltet werden kann.

Wie lang ist nun der Zyklus der Visual Studio Plattform?

Hier gibt es zwei Unterscheidungen, einmal der Team Foundation Service, die Cloud Version des Team Foundation Servers und zum anderen Visual Studio und der Team Foundation Server. Der Team Foundation Service liefert alle drei Wochen Updates aus, die automatisch aktualisiert werden und entspricht somit unserer internen Taktung von dreiwöchigen Sprints. Somit reflektiert der Team Foundation Service immer den aktuellsten Stand. Visual Studio und Team Foundation Server erhalten vierteljährlich kumulative Updates, welche auch die Neuerungen des Service enthalten. Die Änderungsliste des Service gibt eine gute Übersicht, welche Funktionalität zu welchem Zeitpunkt und im welchem Update verfügbar ist. Abbildung 1 zeigt einen Auszug der Änderungsliste. Ganz rechts findet sich die Angabe des Updates bzw. der Hauptversion des Servers, in welchem die Funktion enthalten sein wird. Die Angabe folgt der Logik Hauptversion.Update, also 2012.2 steht für TFS 2012 Update 2.

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Ein genauerer Blick auf die Updates zeigt, dass die Funktionen nicht nach dem Gießkannenprinzip über die ganze Plattform verteilt werden, sondern jedes Update thematische Schwerpunkte hat. Update 2012.2 zum Beispiel fokussiert sich auf 4 Themenbereiche:

  • Agiles Planen
  • Qualitätssicherung
  • Einfaches Entwickeln & Bereitstellen von Geschäftsanwendungen
  • Verbessertes Arbeiten mit Visual Studio

Eine Beschreibung der Updates und deren Schwerpunkte findet sich auf der Visual Studio Website.

Hautversionen werden jährlich ausgeliefert und enthalten sowohl die kumulativen Updates als auch neue Funktionalitäten. Abbildung 2 zeigt das Jahr 2012/2013 im Rückblick.

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Update - Ja oder Nein?

Liefern die Updates für Sie wichtige neue Funktionen und haben Sie die Möglichkeit kontinuierlich Updates zu installieren, dann kommen Sie zeitnah in den Genuss neuer Funktionen. Wenn dies nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, bei der Hauptversion bis zum nächsten Release zu bleiben also 2012 > 2013, natürlich mit vollem Support. Entscheidet man sich für die Updates z.B. mit Update 2012.1, dann erfolgt die Wartung durch nachfolgende Updates 2012.1 > 2012.2 > 2012.3 > 2012.4 > 2013. Für ältere Updates wird es daher keine Rückportierung aus neueren Updates geben.

Als weitere Alternative können Sie auch selektiv vorgehen. Sie starten mit dem Release, schauen sich die Updates Inhaltlich an und wenn für Sie wichtige Funktionen geliefert werden, installieren Sie das Update z.B. 2012.3 und haben so die Updates 2012.1 und 2012.2 übersprungen.

Die Entscheidung liegt also bei Ihnen, ob Sie eher generell einer höheren Update Frequenz folgen wollen oder nicht.

Die Dynamik in der Software Entwicklung hat sich sehr deutlich entwickelt und bringt die Produktentwicklung durch ein flexibleres Liefermodel ein Stück näher an den Kunden. Die Flexibilität für den Kunden muss hierbei immer gewährleistet sein.