Wenn man die Minianwendungen (Gadgets) auf dem Desktop von Vista oder Windows 7 betrachtet, könnte man meinen, dass sich dahinter eine recht komplexe Technologie verbirgt. Tatsächlich aber ist es gar nicht so schwer, eigene Gadgets zu erstellen. Dieser Workshop vermittelt die erforderlich Vorgehensweise.

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Im Grunde genommen handelt es sich bei Windows-Minianwendungen um kleine Webseiten mit dynamischen Elementen. Wenn Sie solche Seiten gestalten können, können Sie auch eigene Gadgets erstellen. Dazu benötigen Sie zwei Dateien: eine als Manifest bezeichnete XML-Datei, und eine HTML-Datei für den eigentlichen Inhalt. Auch wenn einige Grundkenntnisse im Aufbau von HTML-Seiten sicher hilfreich sind, muss man gar nicht unbedingt selbst programmieren. Im folgenden einfachen Beispiel „entführen“ wir die Suchfunktion einer Verlags-Website in ein kleines Gadget für den Seitenbereich.

Die XML-Manifest-Datei

Für jedes Gadget benötigen Sie eine XML-Datei als allgemeine Beschreibung. Daraus erfährt die Seitenleiste bei der Installation des Gadgets, wie dieses heißt, was es tut, woher es kommt usw. Zum Erstellen eines solchen Manifests müssen Sie nicht viel von XML verstehen. Sie können einfach eine Vorlage verwenden und mit den für Ihr Gadget zutreffenden Daten ausfüllen. So in etwa sollte die XML-Datei aussehen:

<?xml version=”1.0” encoding=”utf-8” ?>
<gadget>
<name>Gadget-Name</name>
<namespace>Urheber</namespace>
<version>1.0.0.0</version>
<author name=”Urhebername”>
<info url=”http://ihre-website.de” text=”Besuchen Sie uns” /><logo src=”logo.png” />
</author>
<copyright>&#0169; 2008</copyright>
<description>Kurze Gadget-Beschreibung</description>
<icons>
<icon width=”64” height=”64” src=”icon.png” />
</icons>
<hosts>
<host name=”sidebar”>
<base type=”HTML” apiVersion=”1.0.0” src=”datei.html” />
<permissions>full</permissions>
<platform minPlatformVersion=”0.3” />
</host>
</hosts>
</gadget>

Dieser Code führt einfach eine Reihe von Eigenschaften auf, die das Gadget hat. Die folgende Tabelle erklärt die wichtigsten Eigenschaften. Das entscheidende Element ist allerdings die src-Angabe, welche die HTML-Datei mit dem Inhalt des Gadgets bezeichnet. Alles andere macht es professionell und schöner, ist aber für das Funktionieren des Gadgets nicht unbedingt erforderlich.

Code-Element -Bedeutung

name - Bezeichnung des Gadgets, frei wählbar

version - Versionsnummer des Gadgets, ebenfalls frei wählbar

author - Name des Entwickler bzw. des Unternehmens.

info url - Webadresse von Entwickler/Unternehmen

info text - Beliebiger Text für den Verweis auf die Website (s. o.)

logo src - Verweis auf ein Logobilddatei des Unternehmens, falls vorhanden, sonst weglassen

copyright - Urheberrechtshinweis nach Bedarf

description - Kurze Beschreibung des Gadgets

icon src - Verweis auf eine Bilddatei mit einem Symbol des Gadgets, soweit vorhanden, sonst weglassen

base src - Verweis auf die HTML-Datei mit dem Inhalt des Gadgets

Wie in der Tabelle beschrieben, sind nicht alle Elemente unbedingt erforderlich. Wenn z. B. keine Bilder für Logos oder Symbole vorliegen, lassen Sie diese Passagen einfach weg. Die Seitenleiste verzichtet dann auf Logos bzw. verwendet Standardsymbole.

Die Gadget-Datei

Die eigentliche Gadget-Datei ist im einfachsten Fall eine HTML-Datei mit dem Inhalt des Gadgets, also dem, was das Gadget in der Seitenleiste anzeigen soll. Dieser Inhalt wird in der Seitenleiste in einem kleinen, aber vollwertigen  Browserfenster dargestellt. Sie können also beliebige Elemente verwenden, mit denen sich auch regulären Webseiten gestalten lassen, einschließlich JavaScript, Stylesheets und sonstigen dynamischen Komponenten. Prinzipiell muss die Gadget-Datei auch keine HTML-Datei sein, sondern es kann sich dabei z. B. auch um eine dynamische JavaScript-Datei handeln. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Gadgets selbstgemacht 1/6Für unser Beispiel basteln wir ein kleines Suchgadget, das uns eine Online-Suche direkt auf den Bildschirm holt. Da es schon genug fertige Gadgets für Google, Yahoo, Wikipedia und Co. gibt, machen wir mal etwas Exotischeres. Dazu rufen wir einfach eine Webseite auf, deren Suchfunktion wir als Gadget haben möchten, und kopieren uns den HTML-Code für das Suchformular dort heraus. Das geht ganz einfach, indem wir uns im Internet Explorer mit Ansicht/Quelle den HTML-Code der Seite anzeigen lassen und dort das Suchformular lokalisieren. Den Code speichern wir in einer eigenen HTML-Datei mit einem beliebigen Namen. Wichtig ist nur, dass genau dieser Name in der Manifestdatei bei src angegeben ist.


Hinweis: Webcode kopieren

Ganz so einfach ist es mit dem Kopieren von HTML-Code aus dem Web nicht immer. Im Allgemeinen muss man diesen ein wenig anpassen, damit er reibungslos funktioniert. So sollten Sie zumindest die Webadressen in den angegebenen Links kontrollieren und ggf. vervollständigen, da hier meist nicht die komplette Adresse angegeben ist. Eventuell verwendet der Code auch eine Style-Definition, die weiter oben in der Datei festgelegt wurde. Testen Sie die erstellte HTML-Datei einfach lokal im Webbrowser. Wenn sie dort korrekt angezeigt wird, sollte sie auch als Gadget auf dem Desktop funktionieren. Davon abgesehen ist das hier beschriebene Kopieren für eigene, private Zwecke akzeptabel. Wollen Sie Gadgets an andere weitergeben oder gar veröffentlichen, sollten diese selbstverständlich aus der eigenen Feder stammen.


Das Gadget zusammenstellen

imageHaben Sie Manifest und Gadget-Datei sowie ggf. weitere Symbole und Bilder erstellt, können Sie das Gadget zusammenbasteln:

  1. Kopieren Sie alle zum Gadget gehörenden Dateien in einen beliebigen Ordner. Hierin sollten sich zumindest zwei Dateien befinden: eine XML- und eine HTML-Datei. Die Bezeichnungen der Dateien sind dabei belanglos. Markieren Sie alle Dateien und klicken Sie dann mit der rechten Maustaste auf die Auswahl.
  2. Wählen Sie im Kontextmenü den Befehl Senden An/ZIP-komprimierten Ordner.
  3. Windows komprimiert die Dateien dann in eine ZIP-Datei und schlägt Ihnen einen Namen dafür vor. Übernehmen Sie diesen nicht, sondern verwenden Sie stattdessen einen Namen Ihrer Wahl mit der Erweiterung .gadget.
  4. Bestätigen Sie den Hinweis, dass die Datei durch die andere Erweiterung möglicherweise unbrauchbar wird, mit Ja. Selbstverständlich wird die Datei nicht unbrauchbar, sondern es wird eine Datei vom Typ Windows-Minianwendung.
Installierte Gadgets aktivieren

imageHaben Sie Ihr Gadget wie vorangehend beschrieben zu einer Windows-Minianwendung zusammengepackt, können Sie es auf jedem Vista- oder Windows 7-PC installieren und nutzen.

  1. Doppelklicken Sie auf das zusammengestellte Gadget-Paket, also den ZIP-Ordner mit der Endung .gadget.
  2. Windows bietet Ihnen dann an, die darin enthaltene Minianwendung zu installieren. Klicken Sie dazu auf die Installieren-Schaltfläche. Der Hinweis auf Risiken durch unbekannte Herausgeber ist prinzipiell berechtigt. Aber wenn das Gadget selbst gemacht ist, sollte das in diesem Fall kein Problem sein.
  3. Windows installiert dann das Gadget. Wenn Sie anschließend in der Seitenleiste Minianwendungen hinzufügen wählen, finden Sie Ihr eigenes Gadget in der Auswahl wieder. Klicken Sie unten links auf Details einblenden klicken, dann sehen Sie auch, wo die anderen Angaben aus der Manifestdatei gelandet sind.
  4. Um Ihr Gadget in den Seitenbereich oder aber frei auf dem Bildschirm zu platzieren, gehen Sie wie gewohnt vor. Ziehen Sie das Symbol also einfach in die Seitenleiste oder klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen Sie im Kontextmenü Hinzufügen.
Installierte Gadgets bearbeiten

Gadgets selbstgemacht 7/6Selbstverständlich können Sie installierte Gadgets nachträglich noch bearbeiten und verändern, falls sie nach dem Installieren doch nicht so aussehen oder funktionieren wie geplant. Auch dieses Beispiel-Gadget versprüht ja doch eher einen etwas spröden Charme und könnte sicherlich noch deutlich aufgehübscht werden.

Windows speichert installierte Gadgets unter C:\Users\<Benutzername>\AppData\Local\Microsoft\Windows Sidebar\Gadgets. Hier finden Sie nach der Installation auch die Dateien Ihres Gadgets wieder. Im Prinzip können Sie sie dort sogar manuell hinkopieren und sich so das Installieren ersparen. Auf alle Fälle können Sie die Dateien dort beliebig bearbeiten. Die Änderungen wirken sich sofort aus, so dass Sie auf erneutes Installieren verzichten können. Allerdings müssen Sie Ihr Gadget ggf. aus der Seitenleiste entfernen und wieder neu hinzufügen, damit die Veränderungen auch sichtbar werden.

 

Quelle: http://www.gieseke-buch.de/windows-7/windows-gadgets-selbsterstellen 

Vielen Dank.

Norbert Schumann, Microsoft