Dr. Marianne Janik im Interview über die Herausforderungen einer globalisierten Wissensgesellschaft und das Bildungsengagement von Microsoft.


Frau Dr. Janik, Microsoft unterstützt mit einer Partnerschaft den ersten Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) in Düsseldorf. Von den Lehrerverbänden hört man, dass sich die Schulleitungen auf dem Weg zur eigenverantwortlichen Schule vor vielfältige Probleme gestellt sehen. An welchen Stellen will der Softwarekonzern Microsoft seine Kompetenzen einbringen?

Marianne Janik: Seit vielen Jahren engagieren wir uns in den Bereichen der Bildungsförderung mit verschiedenen Initiativen, die auf den Bedarf von Schulen und Lehrkräften zugeschnitten sind. Gemeinsam mit Bildungspolitikern, Experten, Schulen, Lehrkräften, Eltern und Schülern streben wir die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Bildung und damit der Zukunftschancen für unsere Kinder an. Wir investieren in Förderangebote entlang aller Stationen des lebenslangen Lernens: von der frühkindlichen Erziehung, über die Grundschule bis hin zur Hochschule und beruflichen Weiterbildung. Ein Beispiel hierfür ist unsere weltweite Initiative "Partners in Learning" (PiL). Sie wurde 2003 durch Bill Gates ins Leben gerufen und wird weltweit mit mehr als 500 Mio. US-Dollar gefördert. PiL ist in 119 Ländern aktiv, bis heute wurden mehr als 10 Mio. Lehrer und Schulleiter weltweit geschult. Das Innovative Schools Programm zeigt als Teil der Initiative "Partners in Learning", wie neue Medien erfolgreich im Schulalltag implementiert werden können und bietet dazu Möglichkeiten zur Verbesserung der Unterrichtsqualität, zur Unterstützung bei der Entwicklung eines eigenen Schulprofils, zur Nutzung von Fortbildungsangeboten sowie zur Gestaltung einer modernen Lernumgebung. Schüler werden zum selbstgesteuerten und projektbasierten Lernen mit Hilfe der digitalen Medien angeregt sowie Schulen mit neuen Ideen, Netzwerken und PCs bei ihren Modernisierungsprozessen begleitet. Aktuell sind weltweit über 32.600 Schulen am Innovative Schools Programm beteiligt, davon rund 540 Schulen in Deutschland.

Schulleitung hat ja teilweise auch klassische Managementfunktionen zu erfüllen. Werden auf dem Kongress auch Manager aus der Wirtschaft ihre Erfahrungen an die Schulleiterinnen und Schulleiter weitergeben?

Marianne Janik: Moderne Informationstechnologien bieten vielfältige Möglichkeiten im Schulbetrieb Von individuell anpassbaren Verwaltungstools bis hin zu digitalen Lernumgebungen, die den Spaß am Lernen fördern und den Unterricht über die Grenzen des Klassenraums hinaus erweitern können. Das Lernzeitalter der Zukunft hat längst begonnen. Wir wollen, dass deutsche Schulen hier in Führung gehen und zu Pionieren im digitalen Klassenzimmer werden. Deshalb unterstützen wir den Deutschen Schulleiterkongress, bieten uns hier in den nächsten zwei Tagen als Gesprächspartner rund um das Thema IT im Bildungssektor an und geben Orientierungshilfe in der konkreten Realisierung für die Schulen. Dazu werden Microsoft Manager und Geschäftsführer von unseren Partnerunternehmen auch Workshops auf dem Kongress anbieten, z.B. zu den Themen Beschaffung und Lizenzierung für Schulen trotz knapper Budgets, Chancen und Möglichkeiten von Cloud Computing an Schulen, erfolgreiche Schulentwicklung mit neuen Medien oder den rechtssicheren Einsatz von schulischer IT.

Das aktuelle Thema Fachkräftemangel wird von der IT-Branche mit dicken Sorgenfalten beobachtet. Sehen Sie bei der Wirtschaft ein besonderes Potenzial, die Schulen für dieses Anliegen zu sensibilisieren und sogar Hilfestellungen zu geben?

Marianne Janik: Die Digitalisierung der Gesellschaft hat Arbeitsprozesse nachhaltig verändert. Der Umgang mit Computer und Internet ist heute eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg in das Arbeitsleben, unabhängig davon, für welchen Beruf sich junge Menschen nach der Schule oder dem Studium entscheiden. Ein nachhaltiges Bildungssystem muss unserer vernetzten Informationsgesellschaft Rechnung tragen. Die tiefgreifenden Strukturveränderungen der digitalen Revolution verlangen daher eine frühzeitige Vermittlung von Medienkompetenz schon in der Schule. Natürlich haben wir als IT-Branche hier einen besonders guten Überblick, sowohl über die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts, aber auch über technologische Möglichkeiten und Lösungsansätze. Daher ist es wichtig, dass wir mit allen beteiligten Akteuren im Bildungswesen, also Lehrkräften, Bildungsexperten, Vertretern aus Politik und Wirtschaft, zusammen arbeiten und gemeinsam Strukturen und Inhalte definieren, die es unseren Schülern erlauben, erfolgreich zu lernen. Wie so ein gemeinsames Engagement aussehen kann zeigen wir aktuell im Rahmen des „Bündnis für Bildung", das wir auf der diesjährigen didacta gemeinsam mit namhaften Partnern aus der IT-Wirtschaft sowie Lehrkräften, Bildungsverlagen und Vertretern der Länder vorgestellt haben. Das Bündnis für Bildung e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für eine effizientere und effektivere Bildungsinfrastruktur in Deutschland einsetzt. Ziel ist eine nachhaltige und messbare Verbesserung der Lehr- und Lernumgebung durch eine länderübergreifende IT-Infrastruktur. So engagiert sich die Initiative insbesondere bei der Konzeption von technologischen Verfahren für eine qualifizierte und sichere Bildungs-Cloud und ganzheitlichen Lernlösungen. Durch die Vernetzung von Lehrkräften mit Lernenden sowie den ortsunabhängigen Zugriff entsteht eine Lernumgebung, die den effizienten Einsatz eines optimalen Medien-Mixes im Unterricht und damit bessere Lernergebnisse ermöglicht. Nur in einer Umgebung, in der Struktur, Lösungen, Inhalte und das pädagogische Konzept perfekt aufeinander abgestimmt sind, können unsere Schüler erfolgreich lernen und wachsen. Um dies zu erreichen, braucht Deutschland ein Bündnis, dem viele verschiedene Partner aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Gremien angehören.

Eine abschließende Frage: Warum engagiert sich Microsoft in dieser Weise für das Thema Bildung?

Marianne Janik: Bildung ist das Zukunftsthema Nr. 1. Gerade in unserer globalisierten Wissensgesellschaft ist Bildung die wichtigste Ressource unseres rohstoffarmen Landes: Wissen wird zunehmend als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen und ist die zentrale Quelle von Produktivität und Wachstum. Lebenslanges Lernen wird somit zum wichtigsten Grundsatz für alle Berufsgruppen. Der Erfolg des Wirtschaftsstandorts Deutschland beruht wesentlich auf ständiger Weiterbildung und Verbesserung der beruflichen Qualifikationen. Die Qualität der schulischen Ausbildung ist darum entscheidend, nicht nur für die beruflichen Chancen jedes Einzelnen, sondern auch für den Erfolg von Unternehmen. Microsoft versteht es als Teil seiner Corporate Technical Responsibility (CTR) Bildungseinrichtungen und –Projekte mit IT-Expertise und gezielten Fördermaßnahmen zu unterstützen, um so möglichst vielen Menschen den Zugang zu modernen Informationstechnologien zu erleichtern. CTR definieren wir als die freiwillige Verpflichtung von ITK-Unternehmen, Verantwortung für gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen zu übernehmen, die durch Innovationen angestoßen werden und dabei alle Akteure dieser modernen Technologien zu berücksichtigen. Wir glauben, dass Bildung die beste Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft ist.


Dr. Marianne Janik