Auf dem Global Forum in Prag wurde neben der Verlängerung des Partners in Learning Programms um fünf weitere Jahre auch eine Investition von 75 Millionen US$ bekanntgegeben, um den Zugang zu digitalen Medien in Entwicklungsländern für Jugendliche zu vereinfachen. Wir haben Antony Salcito, Vice President for Worldwide Education bei Microsoft, am Rande des Global Forums gefragt, welche Bedeutung das bildungspolitische Engagement für das Unternehmen hat.

Herr Salcito, MS-CEO Steve Ballmer sagte neulich in Berlin, man sei bei Microsoft überzeugt davon, dass Technologie die Kreativität der Menschen freisetzen könne. Wie kann dieser Prozess der Freisetzung von Kreativität durch Technologie aussehen? Und wie sieht er z.B. bei Microsoft aus?

Anthony Salcito: Wir sehen Technologie als etwas, dass das Lernen ermöglicht. Unsere Mission ist es, Lehrer und Schüler dabei zu unterstützen, ihr Potential zu erfassen und die Wirkung ihrer Lernumgebung zu maximieren. Technologien, wie Office 365 und Windows 8, sind effektive Werkzeuge um diese Mission umzusetzen, aber unsere Hingabe und unser Schwerpunkt gehen deutlich darüber hinaus und beginnen damit, die Bedürfnisse der Lehrer und Studenten zu erfüllen. Unsere Technologie wird stetig reichhaltiger und vielschichtiger um genau diese Bedürfnisse zu unterstützen. Aber ihre sich verändernde Bedürfnisse bedeuten, dass unsere Arbeit niemals abgeschlossen sein wird, weil wir diese Aufgabe sehr ernst nehmen.

Das Lernen, etwa in der Schule, setzt ja traditionell zunächst auf die Aneignung überlieferten Wissens und weniger auf die Freisetzung der eigenen Kreativität. Welches sind die Ideen und Vorschläge von Microsoft, um die traditionellen Grenzen des Lernens zu überwinden?

Anthony Salcito: Heutige Klassenzimmer ähneln sehr denen von vor 100 Jahren. Schüler sitzen aufgereiht nach vorne ausgerichtet, hören sich Anweisungen an und interagieren, wenn es ihnen gesagt wird. Dieser Ansatz hat in der Vergangenheit gut funktioniert, weil man Arbeiter heranziehen wollte, die nicht hinterfragen oder kritisch denken. Der heutige Arbeitsplatz hat sich weiter entwickelt. Arbeitgeber suchen Arbeitnehmer mit Qualifikationen des 21 Jahrhunderts wie Zusammenarbeit, Kommunikation, Kreativität und kritisches Denken. Aber während die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Landschaft sich weiter entwickelt haben, verändern sich die Klassenzimmer nicht mit derselben Geschwindigkeit. Obwohl Computer mittlerweile alltäglich sind und Tafeln durch Smartboards ausgetauscht wurden, hat sich an der Art, Schüler zu unterrichten und Inhalte zu vermitteln, die dann abgefragt werden, nichts verändert.

Unsere weltweite Zusammenarbeit mit Pädagogen (Lehrern) fokussiert sich auf die Lernergebnisse und wie Technologie dabei eine fundamentale Veränderung des Lehrens und in der Praxis des Lernens erzielen kann. Diese Mission wird durch die Bereitstellung von Hilfsmitteln und durch Untersuchungen über die Verbesserung von Lehrmethoden um Schüler bestmöglich für die Arbeitswelt auszurüsten, realisiert. Mehr als die Hälfte aller heutigen Jobs setzt technologische Fertigkeiten voraus und diese Anzahl steigt auf bis zu 90 Prozent im Jahre 2015 (IDC). Der Zugriff zu IT, und die Möglichkeiten, die diese mit sich bringt, erlaubt es heutigen Schülern Dinge zu tun die vergangenen Generationen nicht möglich waren. Schüler zu ermutigen, Technologie mit einer betriebswirtschaftlichen Denkweise zu benutzen – verbinden, teilen und erforschen – ist grundlegend.

Um die sich verändernden Bedürfnisse an die Bildung umzusetzen, muss die Art, wie Schüler bewertet werden, erneuert werden. Qualifikationen des 21. Jahrhunderts werden für die wirtschaftliche Entwicklung benötigt, aber häufig nicht abgefragt und daher auch nicht unterrichtet. Diese Qualifikationen – kritisches Denken, Probleme lösen, Kommunikation, Zusammenarbeit, Kreativität und Innovation – sind unverzichtbare Eigenschaften für Schulabgänger, aber werden überwiegend durch ineffektive Methoden gemessen. Gemeinsam mit weltweiten Partnern investieren wir in die Sicherstellung, dass die richtigen Qualifikationen für den Beruf gelehrt werden.

Kein Gerät oder Software wird die Welt des Lernens in eine der Isolation umwandeln. Betriebe, die mit Bildung zu tun haben, haben die Verantwortung Lehrern und Schülern dabei zu helfen, produktiver zu sein, indem sie Schulen dazu verhelfen, ihre Schüler mit den Qualifikationen auszustatten, die sie zum Erfolg in der Berufswelt benötigen. Unser Ansatz verbindet Technologie mit dem Fokus auf die Befähigung von Lehrern genau dieses Ziel zu erreichen.

Welche Partnerschaften pflegt Microsoft, um die traditionelle Pädagogik mit innovativen Lernmöglichkeiten zu verknüpfen?

Anthony Salcito: Um die Fortentwicklung der Bewertung zu unterstützen, haben wir uns mit Cisco und Intel zusammengeschlossen und das "Assessment and Teaching of 21st Century Skills (ATC21S)" – Projekt gegründet. Bestehend aus Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen, Forschung und lehrenden Institutionen, ist ATC21S ein gemeinschaftliches Forschungsprogramm um das genannte Problem anzugehen. Als eins der Ergebnisse wird das Programme for International Student Assessment den Auftrag wahrnehmen, in die Studie 2015 den Aspekt Collaborative Problem Solving einzubeziehen.

"Shape the Future" ist ein weiteres Programm, auf das wir sehr stolz sind. Es ist in 42 Ländern aktiv und hilft Regierungen "Public/Private Partnerships (PPPS)" zu errichten, die im großen Rahmen Geräte aufstellen und den Zugang zu Technologie ermöglichen. Durch "Shape the Future" haben wir bereits mehr als 12 Millionen Schüler und lebenslange Lerner erreicht.