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Die Geschichte um Custom XML in Microsoft Word und deren Auswirkungen

Die Geschichte um Custom XML in Microsoft Word und deren Auswirkungen

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Die kanadische Firma i4i LDT. verklagte Microsoft im letzten Jahr mit der Begründung, die Verwendung von Custom XML in Word verstoße gegen ihre patentrechtlich geschützte IP.

Am 22.12.2009 wurde in Texas im Berufungsverfahren ein Urteil gegen Microsoft gefällt, das die Verwendung von Custom XML (was übrigens seit Word 2003 enthalten ist) in Microsoft Word verbietet. Was hat es damit auf sich?

Das Urteil bzgl. Custom XML bezieht sich nur auf die USA und Kanada und dort auf Kopien von Word 2007, die nach dem 11.01.2010 verkauft werden. Microsoft wird in den USA und Kanada ab diesem Termin nur noch Versionen ausliefern, die das betroffene Feature nicht mehr enthalten.

Für bestehende Installationen und  ältere Versionen bzw. für andere Regionen wie z.B. Europa gilt das Urteil nicht.

Betroffen wären also lediglich ISVs, die in den USA oder Kanada aktuelle oder neue Lösungen mit diesem Feature verkaufen oder verkaufen wollen und zwar an Kunden, die noch kein Word besitzen. Betroffen sein können in der Zukunft auch Kunden, die solchen Lösungen von ISVs im Einsatz haben und deren Word-Version im Zuge eines Roll-Outs auf die neueste gebracht wird. 
Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass die kanadische Firma seine Klage weiterführen oder ausdehnen wird. Das lässt sich derzeit aber schwer abschätzen.

Die zwei Seiten von Custom XML:

Custom XML bezieht sich einerseits auf die Möglichkeit, Textpassagen innerhalb von Microsoft Word an XML Tags zu binden, wenn ein XML Schema an das Dokument angebunden ist und somit diese Textpassagen in einen Kontext zu setzen. Dieser Teil ist vom o.g. Urteil betroffen.

Andererseits legt Custom XML innerhalb des Open XML-Standards fest, wie eigene (custom) XML-Datenstrukturen abgelegt werden, um Content Controls mit Daten zu füllen. Dazu erhält das entsprechende Content Control eine Datenquelle, die auf ein Element aus einer Custom XML Struktur zeigt. Die Inhalte beider Container (Custom XML und Content Control) gleicht Word selbsttätig ab. Warum nun das Ganze? Content Controls sind Oberflächenelemente, die es dem Anwender erlauben, sehr einfach z.B. Formulare auszufüllen. Wenn das Dokument nun beispielsweise in einen Workflow eingebunden ist, so können mit einer (meist serverseitigen) Workflow Activity diese Daten über den Custom XML Datastore sehr einfach und schnell extrahiert und weiter verarbeitet werden, ohne das ganze Dokument (WordprocessingML) durchsuchen zu müssen.
Custom XML Data Stores fallen nicht unter das Urteil und können problemlos weiter verwendet werden.

Der Open XML Standard (ECMA und ISO) selbst ist vom Urteil nicht betroffen.

Hier dazu auch ein Blogeintrag des Microsoft Group Program Managers Gray Knowlton sowie eine Möglichkeit, Content Controls als Mittel zum Zweck zu verwenden.

 

Update (18.01.2010):

Microsoft hat einen Patch sowohl für Office 2007 als auch Office 2003, der auf Aufforderung (von Microsoft) und nur in den USA und Kanada installiert werden muss, um dem o.g. Urteil zu genügen. Dieser Patch wird in einem Artikel der KnowledgeBase beschrieben (bitte die engl. Version lesen). Installieren Sie die Patches nicht, wenn Sie Ihren Wohnsitz nicht in den Vereinigten Staaten oder Kanada haben! Der Patch nimmt darauf keine Rücksicht und entfernt auf jeden Fall die betroffenen Features.

 

Update (01.02.2010):

Konkret bezieht sich das Urteil nur auf den Mechanismus innerhalb von Word (ab 2003), der benötigt wird, um Custom XML Tags aus der Datei zu lesen. Dieser wird in den US- und kanadischen Versionen von nun an entfallen müssen. Er betrifft nicht die Art und Weise, wie Custom XML in Open XML-Dateien gespeichert wird. Im Moment herrscht etwas Verwirrung, warum diese Funktionalität in der Beta 2 von Office 2010 komplett entfernt worden ist, und zwar weltweit. Microsoft arbeitet derzeit an einer Version, die konform zu o.g. Patent ist.

 

Update (05.02.2010):

Jetzt gibt es ein Tool, womit geprüft werden kann, ob die hier besprochene Funktionalität in einer gegebenen Installation verfügbar ist bzw. womit die Funktionalität wieder hergestellt werden kann (nur außerhalb von Nordamerika). Das betrifft Office 2003 und 2007.

 

Anmerkung: Dies ist meine Einschätzung der Lage, die auf den mir vorliegenden Informationen beruht und kein offizielles Statement von Microsoft.