Die Zeit für Übernahmen scheint günstig! Die Aktien der Konzerne wurden von der US Immobilienkrise stark geschwächt, eine weitere Runde der Konsolidierung in der IT Branche ist in vollem Gange und neue Zukunfts-sichernde Geschäftsmodelle wie z.B. Online Advertising müssen nachhaltig vorbereitet werden.

So ist das Interesse Microsofts an Yahoo ein strategisches denn kurzfristig monetäres. Und es ist weniger die Wust an Services, die Yahoo besitzt, oder der immense Kundenstamm, welche für Microsoft interessant sind, als vielmehr die Wegbereitung des eigenen Mind-Changes. D.h. Microsoft braucht eine extern motivierte Sensibilisierung und kompetentes Know-how darüber, was die Internet-Welt von heute und morgen bewegt. Man muss verstehen, dass Microsoft eine Produkt und Plattform Company ist, welche seit je her vom Lizenzgeschäft lebt und dies sicherlich auch über Jahre hinweg weiter erfolgreich tun wird. Doch wie schafft man es den eigenen Mitarbeitern, aber auch Partnern und Kunden von Microsoft neue Horizonte und Alternativ-Modelle aufzuzeigen, wenn der Schmerz aufgrund eines stetigen Erfolgs nicht groß genug ist? Dir Firma läuft von einem Rekord-Quartal zum anderen. Dennoch ist man sich im Management mehr als bewusst, dass auch die zukünftige Geschäfts-Strategie und zusätzliche Wachstums-Potentiale vorbereitet sein wollen.

Ein frischer Wind tut hier sicher Not. Microsoft hat sich das Thema Software + Servcies (S+S) auf die Fahnen geschrieben. Unter Software wird hierbei beispielsweise eine lokal auf dem PC installierte Applikation (z.B. Office) oder Gerät (Windows Mobile) verstanden, während ein Internet-(Web-)Service (z.B. Virtual Earth) damit verknüpft werden könnte. Ein Beispiel: bei Erstellen eines Outlook Termins kann bei Angabe des Ortes eine Virtual Earth Karte als Bild in den Termin allein durch die Angabe der Adresse (Straße, Ort, Meetingraum) automatisch erfolgen und an die Kollegen gesendet werden.

Microsoft ist in diesem Zusammenhang Weltmeister im Bezug auf den ersten Teil nämlich der „Software“. Der zweite Teil „Service“, welcher damit geeignet (über APIs, neue Geschäftsmodelle, etc.) verbunden werden will, ist hingegen nicht die Domäne der Firma. Wie also Software und Services verbinden, wenn man Services selbst nur durchschnittlich, weil nicht originäres Business, versteht? Die Komplexität erhöht sich noch dadurch, dass Software und Services zu versehen einerseits schon eine Mamutaufgabe ist; andererseits das „+“, also die gekonnte und für die Kunden Mehrwert-behaftete Verknüpfung eine enorme Komplexität und Kreativität bedingen.

Ein Internet Service Provider alleine wie Yahoo oder Google ohne im Besitz lokal installierter Standard-Software bzw. Geräte (z.B. iPod) zu sein, reicht daher eben auch nicht aus, weil die andere Hälfte bzw. die zielgerichtete Verknüpfung fehlt. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die (Internet) Firmen verstärkt um Desktop-Applikationen, –Tools oder Endgeräte bemühen, zwecks der Offline-Funktionalität und allen Vorteilen von dezentraler Software! Google Gears, Adobe AIR, Salesforce.com (ja, auch Salesforce hat einen „heimlichen“ Offline Client für die Kundschaft anbieten müssen!!!); sie alle sind Teil eines Industrietrends der da lautet: verbinde das Beste aus beiden Welten aus Offline und Online, d.h. Software + Services, um neue Revenue-Streams zu entwickeln.

Selbst Steve Jobs verwendet den Begriff Software plus Services. Mit gutem Grund! Hat man doch als Betriebssystem Anbieter wie Apple oder Microsoft eine optimale Pole-Position, um Offline mit Online zu verknüpfen. Die Vermengung ist jedenfalls einfacher, wenn sie von der Software Komponente getrieben wird, denn von der Online Seite. Dazu ein Beispiel: wer eine Applikation wie den Acrobat Reader als Software Komponente installiert hat, kennt das Tool und die Plattform und ist gerne gewillt Zusatzfunktionen aus dem Web (z.B. ein neues Formatierungs-Element) per Klick in die Menü-Leiste des Readers aufzunehmen. Firmen jedoch, wie z.B. Google, welches mit Google Apps reine Web-Anwendungen alleine für die immerwährende Online-Verbindung anbietet, müsste in die aufwändigere Desktop-Applikation gehen und damit das eigene Geschäftsmodell „im Browser“ verleugnen! Für reine Internet Anbieter somit ein Konflikt, für Plattform Anbieter, aber auch Geräte Hersteller wie Microsoft, Apple oder Nokia eine schöne Erweiterbarkeit der Applikationen mit Internet-Diensten!

Allein aus dieser Tatsache Software + Services begründet sich schon das Übernahme Angebot von Microsoft an Yahoo. Sollte der Deal nicht klappen, wäre eine Kooperation oder gar Angebot von Apple an Yahoo sicherlich eine Option. Im Umkehrschluss wäre Microsoft dann auf Partner-Suche zur Kompensierung. Eine tiefe Kooperation mit Nokia wäre hier ebenfalls denkbar. Ebenso ist auch eine Akquise von Adobe oder Yahoo für Apple eine Option.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Ablehnung zur Übernahme durch Microsoft und plötzliche Kooperationsbereitschaft Yahoos mit Google schon erstaunlich ist. Ist doch der weit bedrängendere Wettbewerber für Yahoo das Monopol Google, denn eine an dritter Stelle stehende Microsoft!? Sei es dahin gestellt, es gibt eben auch im Business Animositäten.

Den Industrie-Trend Software + Services, oder wie man es künftig auch immer nennen möchte, wird keiner aufhalten können. Aber vor allem wird ihn kaum einer aufhalten wollen!

Existierende schon monetarisierbare Beispiele für aufkommende den neuen Industrietrend Software plus Service:

- XBox und XBox-Live

- iPod und iTunes

- iPod und Nike+

- MS Office und Office Live Workspace

- und viele weitere - achten Sie mal darauf!