Der ein oder andere von Ihnen mag den kleinen Lebenslauf von mir gelesen haben, der hier oben auf dieser Seite verlinkt ist. Die erste Jahreszahl ist 1987 und ich habe mich ein wenig versucht in diese Zeit zurück zu versetzen – zumindest visuell. Damals waren text-orientierte Oberflächen en-vogue und man hat teilweise mit ASCII-Zeichen versucht, das Desktop-Paradigma, das für uns heute selbstverständlich ist, nachzubilden.
Seit dem hat sich viel getan. Mittlerweile befinden sich mehr Transistoren auf der Grafikkarte wie im Hauptprozessor. Moore’s Law in allen Ehren, aber das hätte damals keiner vermutet.

Warum bin ich ins grübeln geraten? Nun, die IT Industrie steht vor einer fundamentalen Umwälzung, die auch mich als Vollblutinformatiker sehr bewegt. Es geht um das Thema Benutzerschnittstelle oder User Experience. Die Industrie war bisher – von einige Ausnahmen abgesehen – sehr funktionell getrieben: Mehr Funktionen hieß besseres Produkt und am besten auch noch alles gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen. Dass dies so nicht mehr ganz wahr ist, haben wir bei Microsoft auch lernen müssen.

Funktionen sind nett und wichtig. Aber wenn ich sie nicht finde, sind sie unnütz. Eigentlich müsste man dann sagen: Ziel verfehlt, setzen!
Schaut man sich die neue Oberfläche eines Microsoft Excel 2007 an, ist man zunächst erstaunt. Mir ging das jedenfalls so. Als neugieriger, offener Mensch habe ich innerlich zuerst mal Respekt vor der mutigen Entscheidung. Ein Produkt wie Excel – und das werden die Projektmanager unter Ihnen sofort verstehen – einer solchen Erneuerung zu unterwerfen, ist mutig.

Nach dem ich nun einige Wochen damit gearbeitet habe, bin ich auch der Überzeugung es war richtig und gut. Man muss sich auf das Abenteuer einlassen und lernt schnell es zu genießen. Man ist produktiver und – festhalten – es macht Spaß!

Offensichtlich entdeckt die Industrie wie sie mit den Fähigkeiten moderner Rechner den Benutzer einen besseren Service bieten kann. Microsoft ist da sicher keine Ausnahme, vielleicht ein wenig Vorreiter. Daran kann man auch sehen, warum mich als Informatiker das bewegt. Weil es unser Berufsbild verändert. Wenn wir ehrlich zu uns sind, war die Benutzeroberfläche meistens ungeliebte Pflicht und die Applikationen waren funktionell klasse. Vielleicht halt nicht zu bedienen.

Dieser Aspekt wird jetzt immer wichtiger, wird zum Verkaufsargument.
Ich sehe auch eine Gefahr. Erinnern Sie Sich an die ersten Plakate und Einladungen, die mit den damals noch jungen Desktop Publishing Programmen gemacht wurden?? Irgendwie war es Pflicht jeden Satz mit einer eigenen Schriftart zu setzen. Lesbarer wurde es dadurch nicht. Oder an die ersten Webseiten?? Kein Icon stand still, sie waren bunt, grell und wer auch immer den flatternden Briefumschlag auf seinem Weg in den Postkasten (ein damals sehr beliebtes Symbol für Email… sie erinnern sich?) endlich von seinem Los befreit hat, tat der Menschheit einen großen Dienst. Waren das gute Webseiten? Die Antwort kann ich mir sparen. Wir müssen mit den Fähigkeiten also dosiert umgehen und den eigentlichen Zweck immer im Auge behalten. Aber das bietet Platz für viel Innovation, neue Jobs. Es wird nicht weniger, es wird mehr.

Wo wir gerade beim Web sind. Auch hier ist dieser Trend zu spüren. Bill Gates sagte mal so schön, dass wir mit der Technologie AJAX (wer mag kann ja auch mal hier schauen) den Boden anheben, mit einer Technologie, die damals WPF/E hieß, heben wir das Dach. In Zukunft wird man von Webseiten erwarten, dass sie optimale Benutzerführung und Eingabeunterstützung bieten – eben mit Hilfe AJAX oder…
Ja, oder Silverlight. Silverlight (ehemals WPF/E) ist eine Technologie, die es ermöglicht interaktive Inhalte auf Webseiten zu erstellen in einem Maße, welche neue Standards setzen wird.  Für mein Team heißt Silverlight, dass wir viel Information für Entwickler aufzubereiten, eines Toolset (Expression Blend) und sogar ganz neue „DNA“ brauchen: Designer und User Experience Experten. Falls mein Job mal langweilig werden sollte, werde ich es sofort in diesem Blog melden.

Eine Meldung noch in eigener Sache:
TechTalk.
Ein Veteran unter unseren Veranstaltungen mit großem Fankreis. Wir wollen und müssen auch hier stetig weiterentwickeln und verbessern. Weswegen der TechTalk mit Dirk Primbs nicht nur in eine neue Runde sondern auch in ein etwas anderes Format geht. Wir werden weniger „Live“-Events anbieten, dafür eine Video-Version im Internet zum Download. Das Thema „10 Dinge, die Sie nicht über .NET und Ihre Lieblingsprogrammiersprache wussten“ ist irgendwie typisch Dirk und wer ihn kennt weiß, was man erwarten darf. Ich bin mir sicher, es wird wieder kein Auge trocken bleiben und Dirk wird neben der technischen Druckbetankung (jemand sagte mal zu mir, es wäre wie aus dem Feuerwehrschlauch zu trinken) auch wieder das Lachen nicht zu kurz kommen lassen (sie trinken dann wenigstens Brause).

Anmeldung unter www.techtalk.ms Anregung, Feedback, positiv oder konstruktiv, immer willkommen!!!
Ihr
Said Zahedani