Mit der Veröffentlichung von Silverlight und Expression Studio hat Microsoft in der jüngsten Vergangenheit große Aufmerksamkeit in der Presse und der Branche geerntet. Ich habe viele Gespräche dazu geführt – das war wirklich klasse. Das bisherige Feedback zeigt eindeutig, dass unser Angebot gut ankommt. Es zeigt sich aber auch, dass dieser Schritt bisher noch nicht von allen richtig verstanden wird.

Eine Frage, die meine Kollegen und ich in diesen Tagen wieder und wieder beantworten ist die Frage:
„Warum bringt Microsoft plötzlich mit Expression Studio eine umfassende Grafik-Suite auf den Markt? Will Microsoft hier mit aller Gewalt in einen neuen Markt einsteigen, der in der Vergangenheit nicht zu unseren Kernkompetenzen gehört hat?“
Die kurze Antwort lautet: Expression Studio und Silverlight sind eine logische Weiterentwicklung der Microsoft Entwicklungsplattform, und integraler Bestandteil der langfristigen User Experience-Strategie.

Wer meine bisherigen Blog-Einträge verfolgt hat, weiß, dass die Themen „Design“ und „User Experience“ für Microsoft von höchster strategischer Bedeutung sind. Unsere Web-Konferenz Xtopia in Berlin (am 10. und 11. Oktober 2007), die neuen grafischen Möglichkeiten von Windows Vista und .NET 3.x – und nicht zuletzt auch der „Ribbon“ im 2007 Office System sind nur einige der offensichtlichen Beweise dafür. Microsoft wird getrieben von einer „Passion für bessere Software“. Mit dem neuen .NET Framework hat Microsoft eine Plattform geschaffen, auf der Software-Entwickler Anwendungen entwickeln können, die sicherer, integrierter, besser vernetzt und effektiver sind, als zuvor.
Die neue vektorbasierte Grafikengine WPF (Windows Presentation Foundation) ist möglicherweise der größte Paradigmenwechsel in der Interfacegestaltung seit Windows 95 – frei skalierbare Oberflächen sind nicht nur optisch ansprechender und ermöglichen vielfältige neue Gestaltungsmöglichkeiten, sie sind auch eine wichtige Grundlage für barrierefreie Software. Ein wichtiger Punkt, der gerade bei den hohen Bildschirmauflösungen moderner Systeme von großer Bedeutung ist.

Der Codename für Silverlight war WPF/E (Windows Presentation Foundation/Everywhere), und das zeigt eines ganz deutlich: Mit Silverlight bringt Microsoft die Möglichkeiten von WPF ins Web und auf andere Plattformen – ohne dass Entwickler neue Kenntnisse lernen müssen.  Die Grafiktools dafür sind Expression Studio. Die Entwicklungsplattform ist .NET – aber auch JavaScript und AJAX, und Microsoft-fremde Sprachen wie Ruby und Python. Ein mutiger Schritt, aber ein richtiger Schritt. Und ein weiterer Beweis dafür, dass Microsoft es ernst meint, mit der Öffnung für andere Formate und Frameworks. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Die Microsoft-Entwicklungsplattform hat sich verbreitert. Wurde in der Vergangenheit das Wort „Microsoft Entwicklungswerkzeuge“ oftmals synonym für „Visual Studio“ verwendet, so ist jetzt mit Expression Studio eine neue Familie dazugekommen, die speziell für die visuelle Gestaltung von Benutzeroberflächen, Websites und Rich Interactive Applications entwickelt wurde.

Die neuen technischen Möglichkeiten sprechen für sich und werden in der Breite auch durchweg verstanden:
Ruckelfreies HD-Video im Web, dynamische Vektorinterfaces für Desktop- und Webanwendungen, beeindruckende Performancegewinne gegenüber klassischem Scripting,.NET-Programmierung für Mac und PC mit C#, AJAX, Ruby und Python – aber die wahre Revolution ist in der allgemeinen Wahrnehmung noch nicht vollständig angekommen: Mit dem offenen XML-Austauschformat XAML hat Microsoft zum ersten Mal eine gemeinsame Sprache und einen gemeinsamen Workflow für Designer und Entwickler geschaffen: Dank XAML können Designer und Entwickler in beide Richtungen (!) miteinander kommunizieren – ohne Artwork und Daten konvertieren zu müssen. Nie wieder wird ein Designer zusehen müssen, wie sein ursprüngliches Design vom Entwicklungsteam auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert wird, nie wieder wird sich ein Entwickler den Schwarzen Peter zuschieben lassen müssen, weil er mit seinen Werkzeugen das Design schlichtweg nicht umsetzen konnte. Beide gewinnen – und am Ende gewinnt vor allem der Anwender, der Endkunde, der Websitebesucher. Weil er die ganze User Experience geboten bekommt, die ursprünglich für ihn entwickelt wurde.

Das User Interface wird in den kommenden Jahren eines der wichtigsten Differenzierungskriterien für Softwareanbieter sein, um sich gegen Mittbewerber durchzusetzen. Softwareentwickler müssen ansprechende Oberflächen anbieten, die intuitiv verständlich sind, die attraktiv sind, die sich durch hohe Performance, gute Skalierung und einfache Zugänglichkeit und je nach Zielgruppe auch durch elegantes Design von der Konkurrenz abheben. Microsoft als „Werkzeughersteller“ hat das erkannt. Wir wollen unseren Partnern die bestmöglichen Tools bieten, um die beste Software zu entwickeln, sei es für Windows-Anwendungen, für das Web oder in naher Zukunft auch für Mobile Devices.
 
Mit Expression Studio ist uns das gelungen. Selten war eine Version 1.0 so ausgereift und wurde vom Markt so erfreut aufgenommen. Dennoch ist uns natürlich bewusst, dass wir nicht von Anfang an alles richtig machen können. Aber wir werden nicht stehen bleiben. Expression Studio ist grundlegender Pfeiler der langfristigen User Experience-Strategie von Microsoft und wer jetzt in Expression Studio, Silverlight und .NET 3.0 investiert, der sichert sich einen wichtigen Wettbewerbsvorsprung. 

Ihr
Said Zahedani

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