Es ist schon Ironie der Geschichte, dass plötzlich die Beamten der Telekom, aufgrund Ihres rechtlichen Streikverbots, das Backbone der Telekomführung stützen. Gerade die Beamten, die bisher hauptsächlich als Last verstanden wurden! Und dennoch verdeutlicht gerade dies exemplarisch die schier aussichtslose Lage der Telekom: Fehlende Agilität, bestreikte Besitzstandswahrung, billigere Konkurrenz, ungeduldige Investoren, Interessens-Politik und … Beamte.

So wie sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens darstellt, so kann und darf es nicht weitergehen! Das sollte auch den Streikenden und Gewerkschaften klar sein. Riskieren sie doch beide ebenfalls ihre eigene Existenz. Die Streikenden aufgrund einer höheren Gefahr des Arbeitsplatzverlustes durch weiteren Niedergang der Telekom; die Gewerkschaften durch Minderung der Existenzberechtigung bei möglichem Versagen. Und letzteres ist nicht unwahrscheinlich. Rene Obermann kann es sich nicht leisten nachzugeben. Weder aus ökonomischen, noch Macht-politischen Gründen. Umso mehr wird sich der Arbeitskampf zu einem Krieg der Beteiligten ausweiten.

Und was denkt der Bürger über den Streik? Solange es ihn nicht (in)direkt betrifft, wird er Sympathie oder zumindest Neutralität walten lassen, falls er kein Ökonom ist oder gar Mitarbeiter eines Konkurrenz Callcenters für den der Streik wohl blanker Hohn sein muss. Hat jener im Vergleich doch deutlich mehr als 34 Stunden pro Woche zu ackern, bei verminderter Entlohnung. Je länger der Streik dauert, desto informativer wird der Diskurs um die Telekom auch für den Bürger. Vergleichsweise einer politischen Wahl wird von einer Seite die Solidarität als Waffe verschärft bemüht werden, die wirtschaftliche Rationalität von der anderen. Und beide kämpfen um die Zustimmung der Bürger! Die aufkommende differenzierte Stimmung im Lande wird die noch abwartenden Parteien auf den Plan rufen. An dieser Stelle wird sich die Zukunft der Telekom entscheiden. Ein Aufschieben der Telekomprobleme auf Zeit oder ein fauler Kompromiss wäre mittelfristig das Ende der Telekom in heutiger Form!

Was ist also zu tun? Findet sich überhaupt noch eine Lösung, in welcher die Streitparteien ihr Gesicht wahren können? Ich rate den Verantwortlichen der Telekom durchzuhalten und es auf den Showdown ankommen zu lassen. Der Druck auf Verdi sollte  erhöht werden, indem man den Verkauf der kompletten Servicesparte wirklich konkret plant. In dieser fast verlorenen Situation wäre für die Gewerkschaft ein Überführen der Servicemitarbeiter in zeitlichen Blöcken (z.B. innerhalb von zwei Jahren) in die T-Service zumindest ein Teilerfolg. Und genau das war das Versäumnis der Telekom! Eine Ankündigung 50.000 Mitarbeiter von heut auf morgen zu verschieben bei verschlechterten Konditionen ist einfach zu medienwirksam und unglaublich unpopulär. Hier wurde zu sehr auf Zustimmung der Business Analysten geachtet. Geschickter wäre eine schleichende Migration einzelner Belegschaften in die T-Service gewesen, ohne den jetzigen Medienrummel und vermutlich ohne Streik. Dies ist nun unbedingt nachzuholen! In Hinblick auf den Standort Deutschland und den Zukunftsmarkt Telekommunikation, nicht von ausländischen Interessen bestimmt zu werden, ist eine Einigung zugunsten der Telekom-Interessen mehr als wünschenswert.