Kein Zweifel, Apples iPhone hat wie erwartet den Telco-Markt aufgewirbelt. Wenngleich die Verkaufszahlen wohl nicht erfüllt wurden. Ebenso ist nicht zu verleugnen, dass Apple, respektive der dazugehöriger Mobilfunker AT&T, massive Probleme haben. "Rechnungen, die wie Bücher aussehen", seien nur eine weitere Macke des iPhone, wie zuvor schon "schlechter Kundendienst, notorische Netzprobleme und langsamer Datenfluss", schimpft der Tech-Analyst Rob Enderle. Hinzu kommt, dass der SIM-Lock bereits gehackt wurde und das Display bei vielen Geräten schon nach den ersten Wochen nicht mehr funktionierte.

Die Liste der (iPhone-)Bugs wird wohl auch in nächster Zeit nicht abreißen. Das iPhone hat eben auch den Anspruch mehr zu sein als ein normales Handy. Es ist kein Telefon, sondern ein Computer. Und letztere sind weit mächtiger, aber auch komplizierter und somit fehleranfälliger. Das Business Betriebssystem Windows Mobile war auch erst nach Jahren einigermaßen stabil und man konnte damit das tun, was es eigentlich sollte – nämlich telefonieren und Daten übertragen. Ob Apple Kunden mittelfristig für den neuen digitalen medialen Lifestyle auf die, von anderen Handyherstellern gewohnte, Stabilität zu telefonieren wirklich verzichten können, ist fraglich. Ist die starke Anhängerschaft Apples also leidensfähig genug, um das positive Image und die Nachfrage aufrecht zu erhalten?

Dennoch ist das schicke Gerät mit dem benutzerfreundlichen Bedienkonzept revolutionär. Einerseits lehrt es, dass Apples Design- und Marketing-Strategie mehr als zeitmäßig ist. Andererseits bricht Apple feste Strukturen der Telekommunikationslandschaft auf. Apple diktiert den Mobilfunk-Partnern, wie Business gemacht wird! Bisher haben die Telcos dieses Terrain klar für sich beansprucht und aggressiv verteidigt. Nun scheint es jedoch so, dass Apple neue Telekommunikations-Prozesse forciert, wie das Online-Anmelden und -Wechseln des Vertrages in Apples iTunes und eben nicht mehr im Handy-Shop. Das ist bemerkenswert, da somit Telekommunikationsprozesse mehr und mehr zu Serviceproviderprozessen werden. Dies kommt einer Entmachtung aller (!) Telcos gleich.

Auch die Gerüchte T-Mobile Deutschland als Vertriebspartner müsse ein Zehntel der mit dem iPhone erzielten Umsätze an Apple abtreten, lässt einen ungläubig die Augen reiben. Birgt dies doch immense Gefahren in sich. Apples Auftreten könnte Begehrlichkeiten auch bei anderen Geräteherstellern wecken. Wieso sollte eine Nokia nicht auch an den Umsätzen der Netzbetreiber partizipieren dürfen? Ein geglaubter parasitärer Imagegewinn durch Apple könnte sich für die T-Mobile auch als Rohrkrepierer verkehren, sollten die Telco-Konkurrenten und Hersteller nun Allianzen schmieden. Gelingt es beispielsweise einer Nokia mit weiteren Markteilnehmern zu koalieren, könnten Apples Exklusiv-Partner von dieser Macht plötzlich ins Abseits gestellt werden.