Eines muss man Google lassen. Sie erzeugen Buzz! Wöchentlich folgen Meldungen über ehrgeizige Google Projekte wie die Handy-Plattform Android, Open Social, der Einstieg in die ökologische Energiewirtschaft, eine Internet-Festplatte und nun auch das milliardenschwere Mitsteigern bei den US Mobilfunklizenzen.

Ist es nun Arroganz, Überheblichkeit oder fügen sich die Teile in Zukunft wirklich zusammen? Sofern Letzteres der Fall sein sollte wäre dies eine anzuerkennende Leistung. Bewegt sich Google doch hier in gestandenen und traditionell hart umkämpften Märkten, von welchen anzunehmen ist, dass Google in diesen Disziplinen wenig versteht.

Doch allein die schiere Größte und der bisherige Erfolg als Internet Provider machen die Welt glauben, Google kann alles erreichen. Gerade dieses Vertrauen in den Nimbus Google stärkt diese wiederum. So wäre unter normalen Umständen die Teilnahme Googles als Service Provider bei der Mobilfunk-Lizenzversteigerung nichts Besonderes. Doch die Furcht der Telcos, dass ihnen hier ein Mächtiger Konkurrent auf den Plan treten könnte, welcher die eigene Existenz gefährden oder ihnen zumindest den Willen aufzwingen könnte, zeigt Wirkung.

Im Kern geht es dem Internet-Giganten darum, den Erfolg mit Werbeanzeigen bei der Internetsuche via PC auf den Handy-Markt zu übertragen. Muss dafür jedoch eine eigene Mobilfunklizenz gekauft werden? Experten sehen daher in der Beteiligung an der Auktion nur einen geschickten Schachzug. Google wolle gar nicht unbedingt selbst Mobilfunk betreiben, sondern nur auf die Telekommunikationskonzerne AT&T und Verizon Druck ausüben.

Eines hat das Unternehmen bereits erreicht: Die für die Auktion verantwortliche Federal Communications Commission (FCC) legte auf Druck von Google und Verbraucherschützern fest, dass der Gewinner aus der Auktion sein Netz für Handys, Internetanwendungen und Software aller Art öffnen muss, was für den US-Mobilfunkmarkt einer Revolution gleicht.

Google könnte am Ende wieder wie bisher mit seinem traditionellen Kerngeschäft rund um Suche, in der Mitte zwischen Telcos und Werbetreibenden sitzen, und mit Werbung Milliardengewinne einstreichen. Dies macht Googles Geschäftsmodell und künftige Ambitionen deutlich: bestehende Märkte der Old-Economy mit disruptiven Aktionen "anfechten", aufweichen, sich integrieren und mit Werbung abkassieren. Dies würde letztendlich bedeuten, dass Google gar nie in diese Bereiche einsteigt, sondern nur Buzz erzeugen will. Einerseits, um in den Medien präsent zu bleiben, andererseits um das Kerngeschäft in alle Bereiche der Wirtschaft zu infizieren, ohne selbst darin aktiv zu sein. Es könnte hier also vorrangig darum gehen, der Old Economy Googles Monetarisierungs-Modell aufzuzwingen.

Das ganze hat nur einen Haken, welcher bisher nicht ins Gewicht gefallen ist. Was, wenn in den nächsten Jahren einmal eine Wirtschaftskriese die Unternehmen ihre Werbeausgaben kürzen lässt? Wenn also das Grundrauschen von Google plötzlich austrocknet. Und Werbebudgets zu kürzen sind bekanntlich die ersten Maßnahmen in schlechten Zeiten. Hier wird sich zeigen, ob Google bis dato derart viel Werbung, aus Print und Medien, weg in das Internet bewegen konnte, um dann noch wachsen zu können, wie es nach der Internetblase noch funktioniert hatte. Spätestens dann wird sich Google eine den Analysten kommunizierbare konsistente Strategie und öffentliche Roadmap einfallen lassen müssen, welcher man dann auch einmal verpflichtet sein wird. Vieles anzufangen und wenig zu Ende zu bringen wird in schlechten Zeiten wohl selten belohnt und schon gar nicht geduldet.