Nach Zahlen der Marktforscher von M:Metrics befindet sich der, ehemals als lukrativer und als mobile Killerapplikation gepriesene, kostenpflichtige Klingelton-Download vor allem in Europa auf dem Rückzug.

Kommentar:

Die Gründe für den absehbaren weiteren anhaltenden Rückgang des Geschäftsmodells Klingelton sind vielfältig. Da ist zum einen der, bei den Kunden verstärkt verstandene, Sideloading-Effekt, welcher durch standardisierte Formate (MP3) auf Handys, sowie durch Software-Tools zum Eigenbau von Klingeltönen auf PC und Mobiltelefon gleichermaßen, begünstigt wird. Unter Sideloading wird der einfache Prozess des Überspielens von Daten von einem Datenträger bzw. PC per USB oder Bluetooth auf das Zielgerät verstanden, ohne dafür beispielsweise kostenpflichtige Technologien wie UMTS und Download-Portale zu nutzen. Im Zeitalter von iPod und Zune ist die eigen zusammengestellte Playlist auf das Zielgerät zu Genüge eingeübt. Der Kunde spart sich, neben Geld, somit manch kompliziertes Online-Einkaufsverfahren über das Handy und diverse DRM Beschränkungen und tut genau das, was er von MP3 Playern oder Überspielen von Daten auf externe Festplatten bereits kennt. Des Weiteren befördert die aufkommende DRM Freizügigkeit der Musiklabels die Möglichkeit Musik auf unterschiedlichen Geräten ohne Beschränkung abspielen zu können und legen gar noch bei CD-Käufen Klingeltöne bei.   

Welche Geschäftsmodelle, wenn nicht die mit Musik, sind dann überhaupt noch für die Telcos im Zuge zunehmender Service-Orientierung aussichtsreich und lukrativ? Der Niedergang der Musikindustrie und ihrer eingerosteten Strukturen ist unwiederbringlich. Musik wird noch mehr als heute „commodity“, sozusagen ein in einem Angebotsmarkt verbilligtes Gut. Ähnlich steht es um die Filmindustrie. Wenige online Videoportale erzielen überhaupt Gewinne. Dennoch kann ein großer und regional agierender Service-Anbieter bei Erreichen einer kritischen Kundenmasse und Heben von Synergien selbst iTunes, Apples Musik und Video Plattform, Paroli bieten. Ein fairer Preis, der Fokus auf Benutzerfreundlichkeit (in Anwendung, Design, Abrechnung, Performance) und die Nutzung neuer (Web-/Client-)Technologien sind hier in harmonischen Einklang zu bringen. Am Ende werden jedoch nur Service Provider mit einer definierten Größe und geschickter Einbeziehung erfahrener Zulieferer dieses Geschäftsmodell über die Ziellinie retten können. Noch ist die Euphorie in Musik, Video oder auch Gaming (33% weltweites Wachstum) am Markt groß, wenngleich auch schon mit Kratzern. Doch die Konsolidierungswelle im Service-Bereich wird voranschreiten.