Jetzt iss es wieder soweit. Die Computerwoche meldet: Immer mehr Babys besitzen eigene Website 

Eigentlich Meldungen, die die Welt nicht braucht. Boulevard... Trivial... ohne Bezug zum wirklichen Geschäftsleben. Nur weil ein paar stolze Mamis und Papis den schönsten, größten und tollsten Nachwuchs der Welt für Verwandte und Freunde in Szene setzen wollen. Und obwohl man eigentlich keine genauen Zahlen hat um wirklich zu belegen, dass es einen Trend nach oben gibt: Ich glaub das sofort! Wer hat denn nicht auch schon von Kollegen Mails mit Links zur neuen Baby-Website mit den frischen Erstlingsfotos bekommen. Meistens sieht man zwar mehr blaue oder rosefarbene Wärmedecke... Aber o.k. Hauptakteur ist der/die neue Erdenbürger(in) mit seiner eigenen, stolzen Website.

Viel interessanter dabei aus der Sicht eines nahzu emotionslosen Informatikers mit dem Hang zum Sozialen ist allerdings was da wirklich in der Wahrnehmung und dem Lebensgefühl der Menschen von Heute passiert. Früher hat man noch Fotos verschickt. Oder Geburtsurkunden oder Postkarten mit "Ich bin da." Die jungen Eltern von Heute jedoch betrachten es aber mehr und mehr als völlig normal, dass neben der Carrera-Bahn fürs Erstgeborene auch die eigene Website zur Säuglingserstausstattung gehört. Quasi die digitale Identität für die Zukunft. Da wird dann auch gerne schon mal im Namen des Babys gebloggt.

Wenn wir mal das knuddelige Baby außen vor lassen, bleibt die - zumindest gefühlte - Erkenntnis, dass die Menschen heute es als "angemessen" betrachten, dass Ihre Kinder mit der digitalen Welt eng verwoben sein werden. Sicherlich heißt, dass das es zum PC-reifen Alter noch ein paar Jahre hin sind, aber die klare Botschaft zwischen den Zeilen ist, dass es mittlerweile genauso "usus" ist eine eigene Website bzw. digitale Identität zu haben, wie ein Handy mit den neuesten Klingeltönen oder eine Kreditkarte... Zumindest wenn man zum Establishment dazugehören will: Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Weblog. Was früher noch die Domäne von IT-Freaks und Nerds war ist nun massentauglich. Hey, ich meine sogar ich hab jetzt nen Blog!

Auf der einen Seite heißt dass, das natürlich die Freaks sich neue Spielplätze suchen werden, weil es hier langsam zu voll und "uncool" wird. Auf der anderen aber, dass digitale Identitäten und alle (Internet-)Services drum herum, welche die Realität mit der Virtualität verbinden und umgekehrt nun beginnen zu einem Massenmarkt der Zukunft zu werden. Neue Anwenderrollen und Benutzerprofile, mehr intuitive Bedienoberflächen, weniger auf den Nutzer angepasste Konfigurationsmöglichkeiten... Spätestens dann, wenn wir unsere Baby-Website auch bei Oma auf dem Fernseher oder dem digitalen Bilderrahmen mit Internetanschluß sehen können ist dieses Szenario zur Realität geworden... Ach so... Das geht ja schon...

Ich denke wir müssen nicht mehr lange warten, bis die Masse der Otto-Normalverbraucher in unserer "schönen neuen Welt" angekommen ist. Es sieht so aus als wären die Menschen bereit dafür. Auf der Reise da hin jedenfalls sind sie schon....

Die Frage an uns IT-Menschen ist nur: Sind wir schon bereit für Baby Klaus?

Some things to think about...
Thomas