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CeBIT Nachruf: Es war einmal…

CeBIT Nachruf: Es war einmal…

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… eine sehr erfolgreiche IT-Messe, die vom Norden Deutschlands den Rest der Welt eroberte. So oder so ähnlich könnte das Märchen von der CeBIT anfangen, welches im Jahr 1986 begann. Gestern habe ich mit zwei Freunden meinen alljährlichen Messebesuch absolviert, damit müsste langsam mein Dutzend CeBIT-Besuche voll sein. Traurige Erkenntnis: Dabei wird es wohl auch bleiben, denn die Messe war noch nie so langweilig wie dieses Jahr. Bezeichnenderweise war mein persönliches Highlight der größten Computer-Messe der Welt - ein Auto.

Bevor ich mit meinem privaten CeBIT-Bashing (als solches muss man es wohl bezeichnen) beginne: Ich spreche hier nur für mich als Privatperson und schildere meine Sicht als Privatanwender (also privat im Quadrat). Für Fachbesucher ist und bleibt die Messe eine hervorragende Plattform, um “Leads” einzutüten, zu netzwerken etc. Allen Endanwendern aber kann man eigentlich nur von einem Besuch abraten – meine Meinung.

Begonnen hat der Tag wie jedes Jahr: Anfahrt über die A7, Parkplatz Nord – und schon hier ist merkwürdig wenig los. Ticket registrieren (“Mrs. Lol” aus “Kenia”) und rein ins Vergnügen. Doch schon nach ein paar Metern das ungute Gefühl: Das ist hier nicht mehr die Messe, zu der du schon als Teenager vor 15 Jahren gerne hingekommen bist. Kurze Zeit dachte ich sogar, ich sei vielleicht in der Matrix gelandet: Lauter McKinsey-Klone, alle mit der gleichen Kombination aus Anzug und Krawatte, monotoner Gesichtsausdruck und hochwichtiges Handy-Getue inklusive. Egal, weiter – nicht schon nach wenigen Metern schlappmachen! Ab zum Microsoft-Stand, über den ich hier gar nicht viel schreiben möchte. Das sollen andere beurteilen, nur so viel: Ich fand ihn (ehrlich) gut gemacht. Da sich meine beiden Begleiter aber verständlicherweise schnell langweilten, während ich mich mit Kollegen unterhielt, haben wir uns schnell auf den Weg zu den anderen Hallen gemacht.

Ein Wort noch zu meinen besagten Begleitern: Es handelt sich dabei um zwei technikaffine Männer Mitte dreißig, die alle gängigen Verkaufsschlager aus dem Bereich Unterhaltungselektronik besitzen und jährlich eine vierstellige Summe für ihr elektronisches Hobby ausgeben. Ist das nicht eigentlich genau die Zielgruppe, an die sich die Messe richten möchte, wenn sie auf ihrer Homepage schreibt: “Mit der CeBIT life schafft die CeBIT als weltweit wichtigstes Ereignis der digitalen Industrie einen neuen Treffpunkt für professionelle Anwender und Hightech-begeisterte Konsumenten” ?

Bleibt nur die beiläufige Frage: Was wird Konsumenten denn überhaupt auf der Messe geboten? Neuigkeiten und coole Geräte aus der Unterhaltungselektronik? Werden international am Anfang des Jahres immer auf der CES in Las Vegas vorgestellt, und in Deutschland lohnt sich diesbezüglich ein Besuch der IFA in Berlin bestimmt mehr. Neuigkeiten aus der Mobilfunkbranche? Mobile World Congress in Barcelona lässt grüßen. Neuigkeiten in Sachen Games und Console? Lieber zur Games Convention in Leipzig oder Gamescom in Köln gehen, da kommen auch mal Koryphäen wie Hideo Kojima höchstpersönlich vorbei und es gibt exklusive, spielbare Previews. Welche Neuigkeiten also bleiben noch für den geneigten Besucher in Hannover?

Geländeplan CeBIT 2011 - die Consumer-Hallen sind grün markiertDa die CeBIT in diesem Jahr ein neues Konzept verfolgt und sich erstmalig in vier Themenbereiche (life,gov,lab und pro) aufgeteilt hat müsste der Geländeplan dazu Auskunft geben. Und in der Tat, der Plan sagt wirklich eine Menge aus. Mickrige zwei Hallen werden grün markiert für Endanwender (life) ausgewiesen. Weitere zwei Hallen in rot und gelb teilen sich Hochschulen und öffentliche Einrichtungen (lab und gov), alle andere Hallen sind in Blautönen gehalten und damit für Business-Besucher (pro) reserviert. Die restlichen Hallen auf dem riesigen Messegelände bleiben als weißes Skelett und zeugen von einer vergangenen Ära, in der die Messe so starke Anziehungskraft besaß, dass auch diese mühelos gefüllt werden konnten.

Also auf zu den grünen Hallen. Die eine (Nr. 23) komplett den Gamern gewidmet, Intel richtet dort Turniere aus (“Intel Extreme Masters”). Und siehe da – nach meinem kleinen Trauma zu Beginn der Messe eine willkommene Abwechslung. Auch wenn ich gestehen muss, dass mir schon nach fünf Minuten Zugucken eines Ego-Shooter Turnierteilnehmers etwas schwindelig war. In Halle 19 (“smarter living”) gegenüber gab es eine Art Hape Kerkeling für Arme, der im Namen der Barmer GEK und “CeBIT Sports&Health” auf einem Trampolin rumhüpfte, sich dabei mit Raumspray unter den Achseln erfrischte und leider erfolglos versuchte, lustig zu sein. Ein paar Meter weiter spielten Besucher Tischtennis, ein Mercedes-Benz Transporter mit zahlreichen Kisten wurde präsentiert (aber warum bloß?), dazu noch ein paar gepanzerte Laptops (von denen ich immer noch nicht weiß, wer die brauchen soll), ein paar Wärmekameras filmten die vorbeilaufenden Besucher – das war’s eigentlich auf den ersten Blick.

Meine Befürchtung wuchs langsam zur Gewissheit: Die CeBIT hat Consumer einfach nicht (mehr) in der DNA. Nach dem Flop der “CeBIT Home” in den Jahren 1996 und 1998 ging es zwar in Sachen Privatanwender in den Folgejahren stetig bergauf, aber jetzt wäre es an der Zeit, Farbe zu bekennen. Es wäre nur ehrlich, wenn die Messe-Betreiber sich nicht länger auch an Konsumenten richten würden, sondern sich nur auf das konzentrieren würden, was die CeBIT in den letzten Jahren am besten konnte: Business-Anwender mit einander zu verknüpfen. Es ist eigentlich eine Frechheit, dass Jugendliche gemäß der offiziellen Ticketpreisliste nur am letzten Tag ermäßigten Eintritt erhalten (18€) und ansonsten günstigstenfalls 34€ pro Tagesticket im Vorverkauf berappen müssen.  Denkt man an frühere Messen zurück, so drängt sich schon die Frage auf, wie sich innerhalb weniger Jahre so viel ändern konnte. Einer meiner Begleiter hat mich nur staunend angeguckt, als ich ihm erzählte, dass früher auf dem ganzen Messegelände Show-Bühnen für Lärm und Festivalcharakter sorgten, zahlreiche Stars und Sternchen der Messe ein bisschen Glamour verliehen und beispielsweise ein Ronaldo auf dem Siemens-Stand zu Gast war und am nächsten Blatt die Titelblätter der Lokalpresse zierte.

Relativ ernüchtert machten wir uns dann nach knapp zwei Stunden schon wieder auf den Weg Richtung Ausgang, als wir noch ein überdimensionale Werbung für “ein neues 3D Erlebnis” passierten. “Halle 15, Stand 16 – Sollen wir da noch kurz hin?”. Gerne doch. Also auf zu der besagten Halle, durch die Tür – und dort endete bereits der Weg. Die Halle war reserviert für “Planet Reseller” und offensichtlich nur mit spezieller Berechtigung zu betreten. Danke. Tschüss.

Mercedes-Benz SLR McLaren auf der CeBIT 2011Also gibt es rein gar nichts Positives zu berichten? Doch, und das war vor allem Vodafone zu verdanken. Die haben die freistehenden Flächen wenigstens sinnvoll genutzt und kurzerhand einen Mini-Nürburgring aufgebaut, bestehend aus einem Wendekreis an jedem Ende und einer langen Geraden. Über diese lächerlich kurze Strecke haben sie dann einen  Mercedes-Benz SLR McLaren donnern lassen, mit wirklich ohrenbetäubendem Lärm. Ein etwas hirnrissiger Spaß, der für das weibliche Geschlecht ohnehin schwer nachvollziehbar sein dürfte, aber für Männer einfach … lustig ist! Hätte mir vor fünf Jahren jemand erzählt, dass dort, wo sich damals noch zahlreiche Menschen gegenseitig auf die Füße traten, in naher Zukunft PS-Ungeheuer in weniger als vier Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und an einem vorbeirauschen würden – ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Irgendwie verkörpert so ein SLR das, was die CeBIT früher für mich einmal war: Emotionen, Produktneuheiten (der Wagen ist zugegebenermaßen zwar schon etwas älter, aber wann sieht man schon mal einen in Fahrt) und technologische Höchstleistung. Sozusagen ein Anachronismus mit Carbon-Bremsen und 626 PS.

Da neben dem Piloten auch immer ein Beifahrer Platz nehmen durfte habe ich mich gefragt, wie man wohl zu der Ehre kommen konnte, einmal mit ins Cockpit steigen zu dürfen. Weit und breit war keine Warteschlange zu sehen. Grund genug also, nach einer Probefahrt einen der Fahrer anzusprechen: “Entschuldigen Sie, was muss ich eigentlich machen um …”, weiter kam ich nicht. Er: “Sorry, English?”, worauf ich erwiderte: “Yeah, sure! I was wondering, how can I.." und er mich spontan wieder unterbrach: “Well, sorry. You have to be one of Vodafone’s large Enterprise customers, this service is for our key accounts only! And sorry, the show is over for today, we’re stopping now”. Enterprise ... customers. Vielleicht war das alles auch nur ein Missverständnis. Die CeBIT ist tot - lange lebe die CeBIT.

  • Ich kenne die Cebit seit 1980, damals noch ein kleiner Teil Buerotechnik innerhalb der Hannover Messe.Da ich mittlerweile in die USA ausgewandert bin ist es jetzt auch etwas weit.... fuer einen Flop.Mein letzter Besuch war 2005. Schon damals war ich enttaeuscht, haette ich den schweineteuren Eintritt bezahlen muessen, waere ich stinksauer gewesen, netterweise kannte ich jemand bei Siemens. Danke dafuer....

    Ich hatte einige Jahre bei Siemens auf dem Mobilfunk-Stand gearbeitet, daher auch ueber die Tage verteilt die ganze Cebit gesehen. Eigentlich wurde es immer uninteressanter, die letzten von 2006 bis 2008 habe ich mir schon nicht mehr angetan. Da war mir dann selbst die Fahrerei aus Ostwestfalen zu viel. Danke fuer Deinen Bericht, ich sollte wohl lieber nach Vegas fliegen das naechste Mal.

  • Oops - so 'ne Wumme ist das Teil? Hier steht ständig einer in der Nachbarschaft am Straßenrand geparkt. Wie unvorsichtig.

  • Auch ich war dieses Jahr auf der Cebit - und war doch sehr enttäuscht über das, was uns geboten wurde. Besonders interessiert hatte mich auch dieses Jahr wieder der Bereisch OpenSource, der - so mein Empfinden - doch sehr mickrig ausgefallen ist. Auch die Inhalte des OpenSource-Forums waren relativ uninteressant - jedenfalls für jemanden, der sich schon länger mit dem Thema Computer auseinandersetzt. Die Themen waren geradezu langweilig, meist schlecht präsentiert und inhaltslos.

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