Kommentar der Woche: Apples IPhone ein Flop?
Kommentar der Woche:
Apple hatte es wieder einmal geschafft ein neues Geschäftsmodell als Revolution zu verkaufen. Dieses mal steht das IPhone im Mittelpunkt. Doch was steckt wirklich dahinter? Zugegeben, der Apple Style hat etwas Cooles an sich und, ohne das Gerät in den Händen gehalten zu haben, bescheinigt man dem IPhone eine bessere Benutzerführung als man sie jemals von anderen Herstellern bekommen hätte können. Doch sollte die ehrliche Frage gestellt werden, ob es sich nicht um einen müden Abklatsch dessen handelt, was die Industrie bereits zu leisten im Stande ist? Die Telekommunikation ist weit komplexer in Technologie und Ecosystem als beispielsweise der Markt für mobile Abspielgeräte. Ein Design-starker IPod, Verträge mit den Musik-Labels, ein ITunes-Store, geschicktes Marketing, und Apples Geldmaschine rollte. Doch das IPhone taucht in ein weit kompliziertes Geflecht teilweise geschlossener Märkte ein. Carrier, Ausrüster, Telefonhersteller - sie alle haben sich bereits ihren Platz mühevoll erkämpfen müssen. Ein neuer Player am Markt wird hier missgünstig beäugt. Zumal Apple in der Vergangenheit gerne dominant mit seinen Geschäftspartnern umging. Die Haltung der Telcos ist daher auch verständlich zurückhaltend, gleichzeitig darauf bedacht abzuwarten und das Terrain zu sondieren. Doch Apple selbst bleibt kaum etwas anderes übrig als in diesen Zukunftsmarkt einzusteigen. Vielmehr sind die Handyhersteller mit ihren neuen Multimedia-fähigen Geräten eine gefährliche Konkurrenz für den IPod. Dennoch stehen die Zeichen für Apple schlecht! Ein Erfolg eines Business Modells misst sich fast immer an den am Markt relevanten Kernkompetenzen einer Unternehmung. Diese sind im Falle Apple, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, das eigene Marketing, eine treue fast schon religiös anmutende Anhängerschaft, Benutzerfreundlichkeit, eine große IPod Verbreitung und Steve Jobs selbst. Stellt man die genannten Kernkompetenzen den für den Telekommunikationsmarkt relevanten Kompetenzen gegenüber, dann hat Apple kein ausgezeichnetes Alleinstellungsmerkmal zur Konkurrenz. Eine Nokia spielt in fast allen Punkten mindestens in der gleichen Liga, jedoch mit Heimvorteil! Die gestandenen Gerätehersteller sollten nicht unterschätzt werden, wenn es darum geht sich ihre Märkte zu sichern. Das war schließlich eines der zentralen Herausforderungen der vergangenen Jahre. Fazit: Apple ist dazu verdammt, aus einer Fliege einen Elefanten zu machen, um nicht künftig am Tropf des bald ausgedienten IPods hängen zu müssen. Die Technologieführerschaft und Marktposition der etablierten Handyhersteller wird weder mit gängigen Touchscreens und Apple-Design zu brechen sein - und schon gar keine Revolution bedeuten! Man muss Apple aber zugute halten sein, dass das Thema „Mobile Media“ nun stärker in die Köpfe der Verbraucher rückt und somit den Markt beflügelt. Anfänglich werden wohl die Verkaufszahlen des IPhones, trotz des viel zu hohen Preises von 599$ für die adressierte Zielgruppe der Nicht-Businesskunden, aufgrund des Apple Images positiv ausfallen. Spannend wird aber, ob Apple wirklich in der Lage ist in kürzester Zeit strategisch wichtige Allianzen zu schmieden und das IPhone 2 zu entwickeln. Dann aber bitte mit hoffentlich marktüblichen Technologien (UMTS) und preislich für den nicht religiösen Konsumenten erschwinglich.
Siehe auch: Mobilfunker blasen zum Angriff auf Apples IPhone und CEO Apple gegen DRM - Gefahr für alle Contentanbieter?
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