"Relevantes" aus Telekommunikation

Telcos & Web 2.0 – Äpfel & Birnen!

Published 28 April 07 02:03 AM | ceberl 

Kann aus Old und New Economy eine „Economy 3.0“ entstehen? Die Bemühungen einer ganzen Industrie scheinen uns diese Vision/Version verkaufen zu wollen. Ursprünglich wollte ich mich zum Thema, oder besser Kunstwort „Web 2.0“ nicht äußern, da dies inflationär geworden ist. Und ich zweifle daran, dass Web 2.0 überhaupt begreifbar gemacht werden kann. Web 2.0 ist alles und nichts! Social Networks, Mashups, Technologie, der Vorläufer von Web 4.0, Hoffnung, usw. Web 2.0 ist nicht fassbar! Es ist lediglich der Versuch einer unscharfen Beschreibung der heutigen Kommunikation; eine Bestandsaufnahme und temporäre Archivierung, wie sich Menschen fühlen. Dies in bisher kaum gekannter Freiheit. Unternehmen verstehen fälschlicherweise den emotionalen Schwung als Steilvorlage für neue Geschäftsmodelle und versuchen krampfhaft ein Business Modell darauf abzubilden. Doch wie es Emotionen einmal an sich haben, sind sie oft unbestimmt und nicht eins zu eins auf andere übertragbar.

Zur versuchten Erklärung eine Analogie: Wer könnte den subjektiven Eindruck des persönlichen Empfindens einer Stimme einer bekannten Person einem anderen Menschen so vermitteln, dass dieser die nämliche, ihm unbekannte Person, anhand der Stimme wiedererkennen würde? Dies ist schier unmöglich! Zwar könnte die Stimme derart anormal sein, dass diese Anomalität (z.B. piepsige Stimme) einen wagen Wiedererkennungswert bringt. Oder man kopierte die Laute auf technischem Wege oder spräche im unwahrscheinlichen Fall dem anderen selbst sehr ähnlich. Beides jedoch, und dies ist entscheidend, vermittelt nicht das Gefühl der subjektiven eigenen Wahrnehmung der Stimme des anderen. Im Umkehrschluss auf das Web 2.0 angewandt bedeutet dies, dass nur im Zufall die lohnende Verknüpfung zwischen etabliertem Business (Stimme) und dem Web 2.0 (Gefühl) gelingen kann. Zu unwahrscheinlich ist es mit den eigenen Kernkompetenzen genau die Resonanzfrequenz von Web 2.0 zu treffen. In der Masse des Webs jedoch funktioniert dies. Man nehme genügend Internet-Ideen und hoffe den Puls der Zeit zu treffen. Einen derartigen Aufwand kann aber selbst ein gestandenes Unternehmen nicht schultern. Allein nur die hunderte von Millionen Usern - Kreative, Macher und Glückspilze im Netz - können dies bewerkstelligen.

Das soll nicht heißen, dass beispielsweise eine Telco bewährte Technologien aus dem Web 2.0 nicht zur Verbesserung des eigenen Angebots adaptieren könnte (z.B. Kunden-Bewertungen oder Anwender-freundliche GUIs). Auch bedeutet dies nicht, dass das Netz für die Unternehmen nichts weiter hergibt. Im Gegenteil! Es geht nicht um Web 2.0; sondern um die Vernetzung an sich - das Web! Schlagworte sind hier SOA, Software as/and Service (S+S),  Internet Service Bus auf der technischen und Prozess-Seite; korporative Offenheit, Diversität und Reflektion auf der kulturellen.

Die Unternehmen, die es schaffen, sich und Ihre Geschäftsmodelle zu „vernetzen“ werden das junge 21. Jahrhundert anführen. Für einen erfolgreichen Telekommunikationsanbieter könnte das somit auch bedeuten eben „nur“ „vernetzt“ zu „pipen“.

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