Netzneutralität oder Internet Maut?
Eine derzeit in den USA wohl am hitzigsten geführte Diskussion betrifft die Netzneutralität. Was steht dahinter, wer sind die Protagonisten und welche Positionen werden vertreten? Hier ein kurzer Überblick:
Zentrale Fragestellungen: Dürfen Netzbetreiber Anwendungen, die mit eigenen Angeboten konkurrieren, vom Transport durch ihre Netze ausschließen oder diskriminieren, etwa verlangsamen? Ist auch eine Privilegierung beim Transport durch die viel diskutierte Quality of Service (QoS) schon eine unzulässige Diskriminierung? Und darf der Netzbetreiber auch den Serviceanbieter für QoS zur Kasse bitten oder nur den Accesskunden?
Die Netzbetreiber
– Festnetz, Mobilfunk und (Fernseh-)Kabel: Google, Ebay und Co erzeugen einen enormen Traffic auf der Internet-Datenautobahn der Netzbetreiber, ohne letztere dafür entsprechend zu entlohnen. Die Gewährleistung der extrem kostenaufwändigen Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Stabilität der Netzinfrastruktur liegt allein bei den Netzanbietern. Die Inhalte-Anbieter müssen sich nur um Ihre Service- und Geschäftsmodelle kümmern, nicht aber um das teure Backbone zum Kunden hin. Dies verschafft Ihnen einen Vorteil im Kampf um die Dienstleistungen der Zukunft. Die Service Level Agreements (SLA) auf hohem Niveau für alle (!) Internet-Dienste und -Content zu halten ist aufgrund der Zunahme und Komplexität des Internets künftig wirtschaftlich nicht mehr zu gewährleisten. Bei immer höheren Daten-Volumina (z.B. Youtube Videos), starkem Preiskampf und geringeren Margen (durch Flatrates) aus dem DSL- oder Mobilfunkgeschäft wird die Investitionsbereitschaft und Innovation der Telcos geschwächt oder gar verhindert, während gleichzeitig die aufkommenden Konkurrenz der Internet Service Provider stark gemacht wird. Der Aufbau der komplett auf dem Internetprotokoll basierenden Next Generation Networks (NGN) der Netzbetreiber erfordert einen Investitionsschutz und verbietet staatliche Eingriffe und Regulierung, wie die eigenen Netzte vermarktet werden dürfen. Position der Netzbetreiber: Freier Markt und Freiheit in der differenzierten Preisgestaltung für balanciert abgestufte Zugangsformen.
Die Netz-Neutralisten
– Internet-Größen und Verbraucherschützer: Die Provider fürchten die Inhalte-Kontrolle und die Breitbandmaut durch die Netzbetreiber und orakeln eine Zweiklassengesellschaft im Internet. Unter den Mauthäuschen auf der schnellen Datenautobahn würden hauptsächlich kleinere und innovative Unternehmen zu leiden haben. Netzgrößen wie Amazon.com, eBay, Google, Yahoo oder Microsoft fürchten dort, dass neue Geschäftsmodelle durch ein Mehr-Klassennetz behindert und innovativen jungen Netzfirmen Steine in den Weg gelegt werden. Die Großen können es sich zwar leisten, das von den Netzwerkbetreibern verlangte Geld letzten Endes doch auf den Tisch zu legen oder beispielsweise ein eigenes Netzwerk aufzubauen; diese Möglichkeit haben kleinere Inhalte-Anbieter und Anwendungsentwickler aber eben nicht. Das Argument, dass kein Netzwerkbetreiber es sich leisten könne, den Zugang zu Google, Amazon, eBay oder ähnlich großen Mitspielern zu verweigern, ziehe nicht. In jedem Fall hätte der Netzbetreiber politische und wirtschaftliche Macht auf das Internet und wird es zu den eigenen Gunsten auslegen. Dabei haben gerade Startups und nicht die TK-Branche mit frischen Ideen und Innovation für den Internetboom gesorgt und müssten daher besonders geschützt werden. Auf dem Spiel mit der Offenheit der Netze steht letztlich der demokratische Mediencharakter des Internets, die ureigenste Eigenschaft der Freiheit für jeden Einzelnen sich Zugang zu Inhalten zu verschaffen für die er sich interessiert. Position der Neutralisten: Regulierungs-Auflagen gegen die Breitbandmaut und dem möglichen Diktat weniger Anbieter zum Schaden des Wettbewerbs und der Innovation.
Kommentar zur Netzneutralität im folgenden Blog-Eintrag.